Feministische Einzelkämpferinnen Gruppen

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#Aufschrei aus der Wissenschaft: Sexismus existiert!

Mädchenmannschaft - 14 Feb 2013 - 10:32

Wissenschaftler_innen der Uni Bielefeld haben sich in die “Sexismus-Debatte”, die durch #aufschrei massenmedienwirksam initiiert wurde, eingeschaltet und stellen fest, dass bisher kaum Fakten aus Studien in den massenmedialen Diskurs einfließen. Das verwundert nicht, wird doch, wenn Machtverhältnisse und Diskriminierungen thematisiert werden, immer wieder versucht “das Problem” kleinzureden und als Einzelfall abzutun. Nicht als systematisch und einer Gesellschaft inhärent zu behandeln. Sexismus (und andere Machtverhältnisse) zu kritisieren, ist schwer, da Machtverhältnisse in ihren Artikulations- und Realisierungsformen darauf ausgerichtet sind, möglichst “unsichtbar” zu bleiben. Sie sind normalisiert. Auch Erkenntnisse, die in der Akademie generiert werden, um Machtverhältnisse zu kritisieren, sind darauf angewiesen breit rezipiert und anerkannt zu werden. Nicht nur das. Neben der Anerkennung benötigt es Schlussfolgerungen und Forderungen, die in der politischen Praxis dazu führen, Machtverhältnisse nicht nur zu thematisieren, sondern auch auf Veränderungen hinzuwirken und Interventionen zu ermöglichen.

So lesen sich die zitierten Fakten aus der Uni Bielefeld für viele Queer_Feminist_innen, die seit Jahren Sexismus kritisieren, erstmal nicht weiter überraschend:

Tatsächlich sind Frauen weit häufiger das Ziel sexueller Belästigung: Etwa 30 bis 50% der berufstätigen Frauen und demgegenüber etwa 10% der berufstätigen Männer sind von sexueller Belästigung betroffen (European Commission, 1998). Ergebnisse aus einer repräsentativen Umfrage in der Deutsch- und Westschweiz (Strub & Schär Moser, 2008) zeigen, dass sich diese Zahlen in den letzten 10 Jahren kaum verändert haben: 28% der befragten Frauen und 10% der Männer erlebten in ihrem bisherigen Arbeitsleben sexuelle Belästigung. Dabei zeigte sich auch, dass für Frauen drei Viertel der belästigenden Situationen von Männern ausgehen, meist von einzelnen Männern, auch von Gruppen von Männern oder gemischten Gruppen (Männer und Frauen), selten jedoch von Frauen allein. Für Männer geht ungefähr die Hälfte der sexuell belästigenden Situationen ebenfalls von Männern aus (einzeln oder in Gruppen), nur ein Viertel von Frauen und ein Viertel von gemischten Gruppen. Konstellationen, in denen Männer Opfer und Frauen Täterinnen sind, sind damit natürlich ernst zu nehmen, aber vergleichsweise selten. In den weitaus häufigsten Fällen sexueller Belästigung sind die Opfer Frauen und die Täter Männer.

[...]

Sexuelle Belästigung kann (…) auch nicht darauf zurückgeführt werden, dass Frauen überempfindlich seien und Männer eigentlich in guter Absicht handelten. Vielmehr stimmen Männer und Frauen weitestgehend überein, wenn es um die (Un-)Angemessenheit bestimmter Verhaltensweisen geht. Männer, die sich trotzdem unangemessen verhalten, tun dies aus Rücksichtslosigkeit oder Feindseligkeit – in jedem Fall aber tun sie es in aller Regel wissentlich.

Trotzdem warten die Wissenschaftler_innen im Kontext der aktuellen Diskussion mit Gegenargumenten auf, die Betroffene unterstützen und sensibilisieren können, bestimmte Derailing-Strategien, Mythen und Täter-Opfer-Umkehrungen zu erkennen und diesen (zumindest verbal) entgegen zu treten. Journalist_innen sollten sich solche Zwischenrufe aus der Wissenschaft ausdrucken und ihren Ordner “Kritische Berichterstattung” heften, soweit vorhanden (lesen und einprägen nicht vergessen!). Vielleicht ergeben sich daraus auch ein paar Expert_inneninterviews und Gegenartikel, die nicht immer wieder Diskriminierungen reproduzieren und den Status Quo rechtfertigen.

Kritisiert wurde an dieser Form der Studien, wie sie die Uni Bielefeld zum Teil zitiert, dass von Sexismus betroffene Menschen (in diesem Fall Frauen) in Versuchen Diskriminierungen ausgesetzt wurden, um Erkenntnisse zu generieren. Es ist überhaupt traurig und macht wütend, dass Betroffene Erlebnisse aus dem eigenen Alltag erneut durchleben müssen, damit der merkbefreiten Mehrheit, die Sexismus verharmlost oder leugnet, überhaupt etwas an Wissen präsentiert werden kann, das sie (wenn überhaupt) anerkennen. Die vergangenen Jahrhunderte Feminismus reichen dazu wohl leider nicht.

Wer sich weiter mit Studien zum sexistischen Normalzustand informieren möchte, dem_der sei der ausführliche Artikel von Helga bei Femgeeks empfohlen oder die umfangreiche Studie zu Gewalt- und (Mehrfach)diskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* in Deutschland, die LesMigraS durchgeführt hat.

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Anne Wizorec in der taz

Mädchenblog - 14 Feb 2013 - 00:17

Die taz widmet Anne Wizorec einen Artikel, deren #aufschrei-Initiative immerhin zu neuem Bewußtsein bei sexistischen Übergriffen geführt hat:

Erste, zarte Veränderungen zeichnen sich bereits ab. Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind seit Januar deutlich mehr Fälle sexueller Belästigung gemeldet worden. Offenbar hat der #aufschrei manche Frauen ermutigt sich zu wehren. „Da ist ein Funke gezündet worden“, sagt Anne Wizorek.

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…und was ist mit den Tätern?

Mädchenblog - 13 Feb 2013 - 22:55

Sandra Charlotte Reichert hat einen sehr engagierten und interessanten Blick auf die rape culture geworfen: jede_r kennt Opfer von Vergewaltigungen und sexualisierten Belästigungen, persönlich oder durch Geschichten, die Presse, you name it. Nicht erst seit #aufschrei weiß man, daß insbesondere Frauen in hohem Maße betroffen sind. Auch, daß der Täter in den allermeisten dieser Fälle aus dem engen Umfeld kommen.
Doch wenn jede_r irgendwie irgendwo ein Opfer von Belästigung oder gar Schlimmerem kennt – wo sind dann die Täter, die sich doch in unserem Umfeld befinden müßten? Zu jedem bedrängten Opfer gehört ein Täter, zu jeder Vergewaltigung ein Vergewaltiger.

(…)rapists are somewhat of a unicorn: everybody has heard of them, but nobody has ever met one. But maybe we only think that we never met one, because many of them who are don’t seem to know they are one themselves.
(…)
But again, when you ask mothers, sisters, aunts, girlfriends, wives: none of them thinks they are related to rapists or men who assault women. Ask your dad, your brother, your uncle, your boyfriend, your husband, your neighbor. Nobody seems to know a rapist, let alone be one. Nobody seems to know a man who would push a woman’s boundaries, who would use his position to abuse her, her trust.

Sandra kritisiert, daß es unter Männern oft selbstverständlich ist, vermeintliche „Grauzonen“ auszunutzen: (Triggerwarnung)

I know women who woke up while being penetrated. I know women who were forced into intercourse by their partners. I know women who were told to “just let me finish”. I know women who had to go to the emergency after they let their partner “just finish”. Would these men, any of them, label themselves as sexually violent towards women, or even as rapists? No. None of them. They think of themselves as respectful towards women. They think of themselves as the good ones. They think that the problem is never them, that it is always the others. That it is in India, or wherever, where atrocities occur, that it is the stranger behind the tree. But this is not true.

Und dieser „Fremde hinterm Busch“– Mythos ist scheints auch in den Frauen verankert, was sie im Ernstfall dazu veranlasst, (erstmal) nicht glauben zu können, daß die Person, die man gern hat und der man vertraut, einer von der Sorte ist, der die eigenen Grenzen nicht respektiert.

Furthermore, it must be mentioned that rape myths have confused our understanding of what sexualized violence actually is, resulting into more than 60% of women who were raped based on legal definition, don’t acknowledge this experience as such – because it was not the “creepy guy” behind the tree. Because it was the man they trusted, the man they knew. Also, because many times it started with enthusiastic consent, and then ended in something else: the denial of both partners right to stop at any moment. The right to only engage in what both enjoy. Rape myths however, tell a different narrative.

Absolut lesenswertes Stück!

Via Mädchenmannschaft

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Besondere Umstände – Episode 6

Antje Schrupp - 13 Feb 2013 - 17:33

Heute morgen haben Benni und ich wieder eine Stunde gepodcastet, zum Beispiel haben wir darüber geredet, was Demonstrationen bringen, was eigentlich das Gemeinsame und die Unterschiede sind zwischen so verschiedenen Aktionen wie One Billion Rising, Dresden Nazifrei, dem arabischen Frühling oder Freiheit statt Angst.

Dann ging es drum, was eigentlich ein Hype ist (am Beispiel von #Aufschrei und dem mittlerweile vergangenen Hype um die Piratenpartei), ich habe dann noch kurz über die Position der Partei Die Linken zum Sorgerecht gerantet, und am Schluss haben wir sage und schreibe eine Viertelstunde über den Papst als historische Singularität (These von Benni) gesprochen.

Diesmal wieder mit echtem Cliffhanger – hier geht’s lang!

Anschließend haben wir uns noch was zu Essen geholt und unterwegs habe ich Benni von Vine erzählt, mit Ausprobieren


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Hater, Trolle, Widerstand und Gottes Segen -kurz verlinkt

Mädchenmannschaft - 13 Feb 2013 - 16:54

Irmi Wutschers an.sage: „Wie man sexuelle Übergriffe vermeidet“ ist ganz praktisch, auch weil sie Tipps mitgibt zum Beispiel: „Vergessen Sie niemals: Die sexuelle Erregung ist Ihr Gefühl und hat nichts mit dem Gegenüber zu tun.“

Science-Fiction Autor John Scalzi war genervt. Er will sich nicht einfach trollen lassen, jetzt spendet er für jeden Troll-Kommentar, der Sexismus, Rassismus und Homophobie zum Inhalt hat, Geld. Seine Aktion hat für eine Menge Wirbel gesorgt (engl.).

Ein sehr lesenswerter Text zur Sexismusdebatte kommt von Hani Yousuf, darin schreibt die renommierte Journalistin ihre Erfahrungen mit Sexismus und Rassismus in Berlin auf und kommt zum Schluss: „Mein Patriarchat ist besser als Deins“. Antisexistischer Widerstand hat in Indien Tradition und die skandalisierende “westliche” Berichterstattung dient dazu, eigene Probleme unter den Teppich zu kehren.

[TW: sexualisierte Gewalt] In „intimate Enemies“ schreibt Sandra Charlotte Reichert über sexualisierte Gewalt an Frauen, intimen Räumen, die gewaltvoll werden und Erfahrungen von Betroffenen. Warum hören wir über Vergewaltigungen, aber selten vom Vergewaltiger? (engl.)

In Frankreich stimmte die Nationalversammlung mit klarer Mehrheit für die Homosexuellen-Ehe.

Alternative Lebensmodelle werden medial sichtbarer: Drei Väter, eine Mutter. Dass die Familienpolitik unter Schröder eher mau ist, darüber hat die MM schon öfter geschrieben. Jetzt kam ein Bericht raus, da steht es auch noch einmal: Zeit für Visionen, findet Barbara Streidel.

Wie selbstbestimmt kann ein Kaiserschnitt sein? Besser pressen?

“Es kann nicht länger hingenommen werden, dass auf dem Gebiet der Sexuallehre – und nicht nur dort – leitende Männer der Kirche über den Körper und die Seele der Frau Macht ausüben.”

Der Papst geht? Gott sei Dank! Aber wie verhalten sich denn die Anwärter zur Homosexualität und Homo-Rechten?

Pussy Riot klagt Russland in Straßburg an. Gründe gibt es genügend. Verstoß gegen freie Meinungsäußerung, persönliche Freiheit und des Folterverbots beim Prozess des Kollektivs.

In „The Nation“ stehen 10 Dinge, die rape culture (engl.) beenden können! Wie oft der Hashtag (#) Aufschrei verwendet wurde? Es gibt bereits eine Auswertung.

Anke Domscheit-Berg spricht über Sexismus, Hater, Dominanz von weißen heterosexuellen Männer im Netz und Alternativen.

Warum es ein demokratietheoretisches Problem ist, wenn Journalisten „Ganz auf Linie mit den Eliten“ sind, das analysiert eine neue Studie. Eliten bleiben gerne unter sich. Einen Mittelklasse-Priviliegien-Test (engl.) mit Ü-30 Punkten findet ihr hier.

„Ich war nicht müde, nicht mehr als sonst nach einem Arbeitstag, aber ich war müde davon nachzugeben“ –Rosa Parks wird 100 Jahre alt (engl.).

Nobody puts Baby in a corner“. Wenn Kinder stereotypen Vorstellungen ausgesetzt werden und wie Erziehungsberechtigte, Eltern reagieren können (engl.).

 

Termine:

thealit – Call for Proposals 2013 zum Thema Schutzraum. Einsendeschluss ist der 31.03.2013, Infos.

Die Universität Vechta vergibt Promotionsstipendien für Genderforschung/Gender Studies. Bewerbungsschluss ist der 28.02.2013.

Black Intervention: Mehr als Worte – Aus Anlass der aktuellen Kinderbuchdebatte” 20.02. 2013, Ballhaus Naunynstrasse, Berlin. Mit Joshua Kwesi Aikins, Simone Dede Ayivi, Nadine Golly, Noa Ha, Philipp Khabo Köpsell, Mekonnen Mesghena, Nadja Ofuatey-Alazard und Noah Sow.

Vernünftigte Exerziten für Ungläubige“ am 14./15./16.02.2013, Brut, Künsterlhaus, Karlsplatz 5, Wien.

Gegen 1000 Kreuze – Kreative Aktionen –Orga Treff“ am 17.02.2013, 19-20 Uhr, Münster (Orga: Slutwalk Münster).

Literaturlesung und Gespräch zur Situation in Syrien mit der syrischen Autorin und Journalistin Rosa Yassin Hassan am 14.02.2013 in Bochum.

Krikela Record Release Party mit ari und Herrmann Herman am 23.02.2013 in Köln.

Die Frauenkreise und Tupoka Ogette, Afrodeutsche, Mutter, Diversity- und Antirassismustrainerin laden am Samstag, 02.März und am Sonntag, 03. März 2013 die Bezugspersonen Schwarzer Kinder zu einem Worhshop ein. Es geht darum, unsere Kinder beim Aufbau einer gesunden, starken und selbstbewußten Identität in einer weißen Mehrheitsgesellschaft zu unterstützen. Ort: Frauenkreise, Choriner Str.10, 10119 Berlin. Anmeldung: kontakt@frauenkreise-berlin.de, 030-2806185

 

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Feministische Vernetzung: Die Regionalliga geht in die nächste Runde

Mädchenmannschaft - 13 Feb 2013 - 10:00

Die Regionalliga der Mädchenmannschaft hat nun schon einige Zeit auf dem Buckel und wir wollen euch mit diesem Blogeintrag auf den neuesten Stand der Dinge bringen und zum Mitmachen aufrufen!

Was ist die Regionalliga?

Die Regionalliga soll eine Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung unter Feminist_innen – feministisch Interessierten schaffen, die sich nicht (ausschließlich) täglich im Netz bewegen und in ihrer Stadt/ihrem Gebiet aus verschiedenen Gründen keine bzw. wenig Zugänge in lokale feministische Gruppen oder Räume haben.

Die Mitglieder der Ligen treffen sich in unregelmäßigen Abständen an Orten, die sie selbst auswählen, um Aktionen oder die Teilnahme an Aktionen zu planen oder einfach nur, um sich kennenzulernen. Es gibt keine inhaltlichen Vorgaben unsererseits. Wie ihr die Regionalliga in eurer Stadt oder Umgebung gestaltet, ist euch überlassen. Für Rückfragen stehen wir dennoch gerne zur Verfügung.

Wie funktioniert die Regionalliga?

Die Kommunikation untereinander findet in erster Linie über Mailinglisten statt, da nicht alle einen Facebook oder Twitter Zugang haben (wollen). Wir glauben, dass ein Austausch über E-Mail hürdenfreier ist und mehr Menschen anspricht, egal wieviel Erfahrung sie mit dem Internet haben.

Wenn ihr in einer Regionalliga mitmachen wollt, schreibt uns einfach euren Wohnort und ein paar kurze Zeilen zu eurer Person an regionalliga ät maedchenmannschaft punkt net. Wir tragen euch dann in die Verteilerliste ein. Wenn ihr Fragen zur Funktionsweise der Regionalliga habt: Einfach die Kommentarfunktion unten nutzen oder die angegebene Mailadresse.

Wer kann bei der Regionalliga mitmachen?

Die Regionalliga kennt keine Grenzen: Egal, wie alt du bist, wie du dich verortest, wieviel feministische Erfahrung du mitbringst oder auch nicht, du bist herzlich willkommen. Die Mitglieder der Regionalliga und wir legen allerdings Wert auf einen respektvollen Umgang untereinander und wünschen uns einen Austausch, der auf Augenhöhe stattfindet. In der Regionalliga finden sich Menschen unterschiedlichster Zugänge, Geschichten und Lebensrealitäten ein, was in der Kommunikation untereinander berücksichtigt werden sollte. Raumeinnahme durch das Setzen von Themen, die andere verletzen oder (von Gesprächen) ausschließen sowie diskriminierende Äußerungen gehören nicht aufs Tableau! Wenn ihr euch diesbezüglich unsicher seid oder Diskriminierungen melden wollt, wendet euch an eine Vertrauensperson in der jeweiligen Liga oder an uns.

Welche Ligen gibt es?

Folgende Ligen in diesen Städten/Ballungsräumen existieren bereits und freuen sich über regen Zuwachs: Berlin, Bremen, Dortmund, Dresden, Frankfurt a.M./Rüsselsheim/Mainz, Freiburg, Hamburg, Hannover, Heidelberg/Mannheim, Karlsruhe, Köln/Bonn, München, Stuttgart/Tübingen/Konstanz, Zürich (CH).

Welche Ligen stehen in den Startlöchern?

Folgende Ligen suchen noch weitere Mitspieler_innen, um gegründet werden zu können: Augsburg, Erfurt, Fulda, Halle, Jena, Kiel, Linz (A), Münster, Nürnberg, Wien (A).

Kann es weitere Ligen in anderen Städten geben?

Na klar. Wenn deine Stadt oder die Stadt in deiner Nähe hier nicht aufgelistet ist, schreib uns einfach eine Mail an regionalliga ät maedchenmannschaft punkt net mit einer kurzen Info zu deiner Person und in welcher Stadt du feministische Vernetzung suchst. Vielleicht melden sich ja noch weitere potentielle Mitspieler_innen in deiner Nähe und die nächste Liga ist gegründet!

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Generationsübergreifende Bündnisse, Konflikte und Chancen

Mädchenmannschaft - 12 Feb 2013 - 10:00

Diesen Text habe ich anlässlich der 20jährigen Jubiläums­feier der Überparteilichen Frauen­initiative Berlin (kurz: Üpfi) geschrieben, bei der ich Teil einer Podiums­diskussion war: „Leben und Arbeiten – wofür kämpfen die verschiedenen Frauen­generationen?“. Mit meinen 26 Jahren wurde ich offen­sichtlich als Vertreterin der „jüngeren Generation“ eingeladen. Diese und andere ähnliche Ver­anstaltungen ließen mich über Feminismus und Alter, Generationen und Bündnisse nachdenken. Meine Gedanken dazu schrieb ich auf (auch als PDF - zum Aus­drucken und später lesen):

Feministische Räume sind (unter anderem) nach Alter strukturiert

Dass Feminist_innen verschiedener Generationen sich nicht so häufig begegnen, liegt nicht daran, dass es zu wenige Feminist_innen in den jeweiligen Altersgruppen gibt, sondern dass wir in unter­schiedlichen Räumen unter­wegs sind. Einer dieser Räume ist das Internet, welcher in den letzten Jahren für viele (tendenziell, aber nicht ausschließlich) jüngere Feminist_innen (20 bis 35) zum Ort regen Aus­tauschs, Vernetzung und Empowernment geworden ist.

Aber auch außerhalb des Netzes gestalten sich die feministischen Räume unter­schiedlich: Auf Ladyfesten, Demos, queer-feministischen Konzerten und (selbst­organisierten) Workshops treffe ich eher Feminist_innen in meinem Alter. In Frauen­zentren, auf partei­politischen Ver­anstaltungen und auf Kongressen, für die mensch zum Teil relativ viel Geld bezahlen muss, ist das Publikum alters­mäßig gemischt bzw. tendenziell älter als 40. Es gibt einige Projekte, die einen generations­über­greifenden Ansatz haben (wie z.B. der divida-Salon der Divida Stiftung in Berlin), aber meinen Beobachtungen nach gibt es in den eingangs genannten Räumen bestimmte Alters­strukturen. Einige Gründe dafür werde ich später noch nennen, aber eine voll­ständige Analyse würde wohl den Rahmen sprengen. Das Wissen darüber, dass viele Räume nach Alter strukturiert sind, ist jedoch hilf­reich für alle, die – wenn sie mal raus aus ihrer gewohnten feministischen Umgebung wollen – Menschen in anderen Alters­gruppen treffen möchten.

Ich freue mich immer sehr, wenn ich auf Veranstaltungen wie jene von der Überparteilichen Frauen­initiative Berlin ein­geladen werde. Die Teilnehmer_innen, die in der Mehr­zahl nicht so selbst­verständlich im Netz unterwegs sind wie ich, freuen sich unglaublich, wenn ich von erfolgreichen feministischen Aktionen im Netz berichte und es wird sich gemein­sam empört, wenn wir auf die ätzenden Trolle zu sprechen kommen, die feministischen Blogger_innen das Leben schwer machen.

Zwei Fragen scheinen immer großes Interesse zu generieren und werden von mir im Folgenden (an-)diskutiert:

1. Was sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen feministischen Generationen?
2. Wie können wir zusammenarbeiten?

Konstruierte Unterschiede

Die Frage, welche Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen existieren, ist für mich unbeantwortbar, weil ich nur sehr ungern (in der Regel zugespitzte und wenig aus­differenzierte) Unter­schiede fest(!)schreiben möchte. Genauer gesagt, glaube ich eher, dass es in den meisten Generations­diskussionen gar nicht um Alter geht, sondern um unter­schiedliche feministische Überzeugungen oder Perspektiven. Beides kann – aber muss nicht – korrelieren. Klar ist mir bewusst, dass die politischen und kulturellen Rahmen­bedingungen einer Zeit auch den feministischen Aktivismus der jeweiligen Zeit prägen. 1970 feministisch aktiv gewesen zu sein, unter­scheidet sich mit Sicher­heit davon heute feministisch aktiv zu sein. Die feministischen „Werkzeuge“ ändern sich (so wie es heute oft das Netz mit seinen Möglich­keiten zur Verbindung und Aus­tausch ist), einige Texte oder Theorien dominieren eine bestimmte Zeit­phase, auch das feministische Vokabular wird ständig neu_ausgehandelt.

Dennoch gibt es sie nicht, diese fein-säuberlich von­einander abgetrennten feministischen Generationen wie sie im feministischen Bilderbuch stehen: Vorgekaut wird uns das Märchen von den drei feministischen Wellen, die sich bei näherer Betrachtung als viel zu verengt auf eine weiße US-amerikanische und west­europäische Geschichte beziehen. Es ist ein Schema, dass die Kämpfe in vielen anderen Regionen auf der Welt un­sichtbar macht, vor allen Dingen, wenn sie nicht in den Hoch­zeiten der so genannten Wellen stattfanden. Das Wellen-Modell begünstigt so einen homo­genisierenden Blick auf feministische Aktionen und Themen und negiert die Unter­schiede innerhalb (!) einer Bewegung.

Es gibt kein (bedingungsloses) „Wir“

Feministische Aktionen finden jeden Tag an verschiedenen Orten dieser Welt statt – sei es eine Demonstration für Abtreibungs­rechte, eine queer-feministische Lesegruppe von und für Schwarze Frauen oder ein Rock Camp für Mädchen, Trans* und Inter. Allein für sich sind diese Aktionen noch keine Bewegung, aber genau jene Kollektive leisten kontinuierliche feministische Arbeit, und zwar nicht nur in Zeiten, wo Feminismus mal wieder so ver­handelt wird, dass ein Eintrag in Geschichts­bücher oder Wikipedia erfolgt. Jene Kollektive und Gruppen, die Teile ver­schiedener Communities sind, bilden oftmals die Grundlage für aufkeimende Bewegungen und stellen Ressourcen bereit, auch wenn ihre Arbeit in Groß­erzählungen über feministische Kämpfe und Errungen­schaften häufig unsichtbar gemacht werden von den­jenigen, die auf eine einheit­liche Großerzählung bestehen. Feministische Aktionen und Gruppen sind also vielfältig und können mitunter sehr unter­schiedliche Ziele haben. Manchmal arbeiten Gruppen gemeinsam, manchmal ist eine gemeinsame Arbeit kaum möglich. Und trotzdem wird häufig so getan, als könnte mensch ver­allgemeinernde Aussagen über „die Feminist_innen“ tätigen. Zu oft wird noch an einem falschen „Wir“ festgehalten - der so genannten „globalen Schwesternschaft“. Schnell hinter­her geschoben wird dann ebenfalls, dass es die älteren Feminist_innen seien, die noch so sehr an diesem „Wir“ klammern, weil sie selbst­verständlicher mit der Idee aufgewachsen seien, es gäbe dieses „Wir Frauen“.

Auch diese Geschichts­schreibung würde ich verkomplizieren. Es stimmt, dass das Hinter­fragen der vermeintlich universalen Kategorie „Frau“ heute ein größeres Thema ist als vor 40 Jahren. Jahrzehnte feministischer Theorie­bildung und aktivistischer Kämpfe haben ihre Spuren hinterlassen. Aber schon vor Jahr­zehnten haben zahlreiche Feminist_innen auf dieses falsche und verein­nahmende „Wir“ hingewiesen, insbesondere Aktivist_innen und Theoretiker_innen of Color, Migratisierte, Lesben, Frauen mit Behinderungen, Menschen, die mit einem binären Geschlechter­verständnis nichts anfangen können… – also all diejenigen, die im „Wir Frauen“ höchstens mit­gemeint sind oder gar nicht mit­gedacht werden und deren Lebens­realitäten in feministischen Erzählungen nur marginal oder keine Rolle spiel(t)en. Und bevor der Eindruck entstünde, die jüngeren Feminist_innen hätten diese Kritik verinner­licht und würden diese nun selbst­verständlich in die Praxis umsetzen, muss ich ent­täuschen. Zu viele Leerstellen existieren noch. Auch heute muss jede queer_feministische Gruppe kritisch eigene Aus­schlüsse diskutieren, muss sich die Frage stellen, für wen sie Politik machen und wer genau davon profitiert. Was ich damit sagen will: Damals wie auch heute gibt es keinen feministischen Konsens, keinen „perfekten“ Aktivismus, nicht die eine feministische Theorie, die alle gut finden. Das immer wieder sichtbar zu machen, ist ebenfalls Teil feministischer Arbeit.

Deshalb fällt es mir schwer, von „den älteren Feminist_innen“ und „den jüngeren Feminist_innen“ zu sprechen, denn das gleiche Geburts­datum bedeutet ja nicht, dass alle gleicher Meinung wären. Sicher ist, dass Feminist_innen, die vor 20, 30 oder gar 40 Jahren feministische Arbeit geleistet haben bzw. heute noch leisten, einen Erfahrungs­schatz haben, den Aktivist_innen in meinem Alter nicht haben. Diese Erfahrungen sind selbst­verständlich durch die damalige Zeit geprägt. Ich behaupte also nicht, dass Alter und Erfahrungs­werte keine Rolle spielen. Dass Alter eine Strukturierungs­kategorie ist, merkt mensch spätestens bei einem Blick auf die Liste der hier mit­schreibenden AutorInnen: die feministischen Netz­communities scheinen nicht sehr attraktiv für viele Menschen über 50 zu sein. Die bloggende Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp glaubt, dass das mit Unwissenheit, Ängsten und Unsicher­heiten gegenüber Technik zu tun hat. Dass das Netz relativ jung-strukturiert ist, heisst aber im Umkehrschluss nicht, dass sich alle Feminist_innen von 20 bis 35 im Netz tummeln oder dass es keine Blogger_innen über 40 gäbe. Der zweite Fehl­schluss wäre anzunehmen, dass die jüngeren Feminist_innen, die im Netz sind, alle ähnliche Über­zeugungen hätten. Mitnichten: Wir streiten. Und wir sind uns uneinig. Es werden Bündnisse ein­gegangen und wieder welche gebrochen. Geschichte wiederholt sich.

(Generationsübergreifende) Bündnisse

Die Frage „Aber wie können wir denn zusammenarbeiten?“ ist daher wichtig. Einen Punkt hatte ich bereits weiter oben angesprochen: generations­übergreifende Bündnisse können zum Beispiel dadurch geschaffen werden, dass wir uns gegen­seitig in unseren Räumen „besuchen“. Falls ihr viel im Netz unterwegs seid und eure Mütter oder Nachbarinnen sich eher wenig damit auskennen, erklärt ihnen nicht, dass soziale Netz­werke oder Blogs nichts mehr für sie seien, sondern besprecht lieber welche Vor- (und auch) Nachteile es gibt, damit sie selbst ent­scheiden können, ob sie darauf Lust haben. Gerade für Menschen, die viel Zeit zu Hause verbringen (müssen), bieten soziale Netzwerke eine tolle Möglich­keit, um auf dem Laufenden zu bleiben. Deine Oma liebt eine Tages­zeitung oder eine bestimmte Band? Dann zeig ihr doch, welche Webseiten sie für regel­mäßige Informationen anklicken kann! Vielleicht schreibt sie dann auch mal ein paar Kommentare unter Blog­artikel und nimmt somit Teil an (feministischen) Debatten im Netz. In meiner Familie klappt das generations­übergreifende Arbeiten übrigens ganz gut: Als ich über die Aktion ‘Wunsch­zettel für Frauenhäuser‘ bloggte und meine Mutter das sah, packte sie ein paar Pakete und brachte sie in einem Frauenhaus vorbei. Zugegeben, die Bündnisse zwischen Tochter und Mutter sind winzig, aber sie sind ein Teil davon.

Kompliziert wird es, wenn mensch anstrebt, in größeren, heterogenen Zusammen­hängen politisch zu werden. Heterogen meint hier, dass Menschen mit unter­schiedlichen Lebenserfahrungen, Geschichten und Diskriminierungs­erfahrungen zusammen­arbeiten. Solche Bündnisse – die es im übrigen nicht so häufig gibt – bedingen eine kontinuierliche (selbst-)kritische Arbeit. Zum einen müssen sich Menschen zumindest auf ein Grund­gerüst an gemeinsamen Politiken einigen, zum anderen ist es wichtig Raum zu lassen für Widersprüche und Differenzen. Differenzen ist hier nicht im Sinne von Meinungs­verschiedenheit gemeint, sondern als gesell­schaftliche Differenzen, die innerhalb feministischer Communities leider noch zu wenig thematisiert werden, und wenn, dann (wie ich das oben versucht habe zu erklären) mit falschen, pauschalisierenden Konstruktionen wie „die jungen Feminist_innen“ und „die alten Feminist_innen“ arbeiten.

Ich habe bei Workshops oder Vorträgen zum Beispiel schon oft den ziemlich nach Anklage riechenden Satz gehört: „Na, ihr jungen Feministinnen wollt ja eh nur Geschlecht abschaffen – dekonstruieren oder so! – und redet nur noch von Gender oder queer!“ Diese Einschätzung offen­bart allerdings eine recht eigen­artige Definition von Dekonstruktion. Dekonstruktion heißt nicht, soziale Kategorien wie „Frau“ ab­schaffen zu wollen (wie soll das gehen?), sondern das Erforschen, kritische Ein­ordnen und Hinter­fragen von Kategorien, die meistens auf binären Logiken aufbauen – Frau/Mann, hetero/homo… – und zu schauen, wie diese Kategorien genutzt werden, wer gemeint ist und was unbenannt bleibt. Das diese Begriffe trotzdem soziale Realitäten dar­stellen und mit Macht­ver­hältnissen verknüpft sind, steht (zumindest für mich) außer Frage. Ich finde es schade, dass sich so einige Aktivistinnen die Ohren zuhalten, wenn das Wort Gender fällt. Es gibt mehr als „Frau“ und „Mann“ und um das benennen zu können, brauche ich nun einmal Vokabular. Wenn das eine nicht respektieren kann, laufe ich trotzdem nicht rum und schimpfe auf die „böse Alt­feministin“, die die letzten zwanzig Jahre ver­schlafen hat, sondern stelle fest: Politisch kommen wir dann nicht auf einen Nenner.

Kurzer Einschub: Ressourcen

Wenn Menschen mit unterschiedlicher Lebens­erfahrung politisch zusammen­arbeiten wollen, müssen ein paar Fakten mit­einander abgeglichen werden. Ich hab schon mehr als einmal von Aktivist_innen, die 20 oder 30 Jahre älter sind als ich, gehört, dass sie es traurig finden, dass jüngere Frauen kaum mehr in klassischen Frauen­räumen unterwegs sind oder bestimmte gender- und frauen­politische Veranstaltungen kaum besuchen. Dafür kann es ganz unter­schiedliche Gründe geben. Ein paar Aspekte fallen mir allerdings öfter auf: Wenn eine frauen- oder gender­politische Veranstaltung zum Beispiel im Abgeordneten­haus in Berlin stattfindet, ist das meist mit einem relativ hohen Eintritts­geld verbunden. Zehn Euro oder mehr können die meisten Aktivist_innen, die ich kenne, einfach nicht für eine Veranstaltung ausgeben (und das gilt für alle – egal wie alt – die aus unter­schiedlichen Gründen wenig Geld zur Verfügung haben). Ein guter Tipp wäre, Eintritts­gelder zu staffeln oder nach einer Spende von z.B. 3 bis 15 Euro zu fragen, so dass jede_r so viel gibt, wie sie kann.

Gerade Veranstaltungen, die in klassischen Politik-Räumen stattfinden und somit für Politiker_innen oder frauen­politisch Tätige interessant sind, erscheinen für mich auf den ersten Blick meist nicht so attraktiv: Zum einen befürchte ich, dass in diesen Räumen häufig sehr pauschalisierend von „den Männern“ und „den Frauen“ die Rede ist (und Geschlechter jenseits dieser binären Logik einfach nicht mitgedacht werden) und anderer­seits ist es mir auch schon passiert, dass ich einfach nicht ernst genommen werde bzw. die Aktionen, von denen ich berichte, als unwichtig oder mit „das-soll-alles-sein?“ abgetan werden. Ältere Feminist_innen haben mit Sicher­heit mehr gelesen, mehr nach­gedacht und mehr erlebt als ich, aber sie sind heut­zutage häufig auch in privilegierteren Strukturen unterwegs als die durchschnitt­liche Aktivist_in um die 20. In den Communities, in denen ich unterwegs bin (z.B. bei Ladyfesten), können wir den Künstler_innen oder Workshop­gebenden höchstens mal eine Spende zahlen – die meiste Arbeit ist ehrenamtlich. Ich bin froh über jedes Honorar, was ich von Stiftungen, Frauen­beauftragten oder Parteien einstreiche – und gehöre damit schon zu den Glücklichen in der queer-feministischen Community, denn die meisten werden nie einen Euro für ihre Arbeit bekommen.

Wer also in einer Stiftung, in einer Partei oder einer Behörde frauen- oder gender­politische Arbeit leistet, schwimmt vielleicht nicht im Geld (gekürzt wird ja gerade in der feministischen Arbeit gerne), aber hat trotzdem mehr Ressourcen zur Ver­fügung als die meisten nicht-kommerziellen queer_feministischen Projekte und Gruppen, die ich kenne. Das zu wissen, ist wichtig, wenn Feminist_innen unter­schiedlichen Alters aufeinander treffen und sich wundern, warum sie sich so selten begegnen oder wenige gemeinsame Aktionen geplant sind.

Gemeinsamkeiten über Altersgrenzen hinweg

Genauso wichtig wie die Thematisierung von generations­über­greifenden Aktivismus halte ich die selbst­kritische Thematisierung von Aus­schlüssen in den eigenen feministischen Reihen. Die Nicht-Nennung von mit Sexismus verknüpften Unterdrückungs­mechanismen wie Hetero­normativität oder Rassismus beschränkt sich nicht auf eine bestimmte feministische Generation, sondern ist Merkmal vieler feministischer Gruppen. Zum einen hat dies mit den Strukturierungen der feministischen Räume zu tun, die i.d.R. viel homogener sind als von den Teil­nehmenden an­genommen (häufig fällt einer weiß-dominierten feministischen Gruppe z.B. gar nicht auf, dass kaum Menschen mit Rassismus­erfahrungen an Debatten teilnehmen oder es ist selbst­verständlich, eine Frau zu fragen, ob sie einen Partner hat – als wären alle Frauen hetero oder hätten Lust auf eine Partnerschaft), zum anderen werden dadurch andere Unterdrückungs­verhältnisse als Sexismus kaum oder nur als Rand­thema benannt.

Als ich bei einer Veranstaltung mal kritisierte, dass einfach so über „die Migrantinnen“ gesprochen wurde, obwohl der Raum sehr weiß- und deutsch­dominiert war, wurde sofort der dringliche Wunsch geäußert, „die“ doch einfach in die Gruppe einzuladen, um zu hören, was „die so zu sagen haben”. Schon hier zeigt sich der erste Denk­fehler: „Andere“ müssen nicht großzügig „zu uns“ eingeladen werden, denn das würde ja implizieren, dass diese feministische Bewegung uns Weißen gehört und wir groß­zügig andere teilnehmen lassen. Zu diskutierende Fragen sind meines Erachtens eher: Welche Themen aus welcher Perspektive werden in meiner Gruppe behandelt? Denke ich Menschen mit anderen Diskriminierungs­erfahrungen als meinen eigenen konsequent mit? Wieso spreche ich von „den Migrantinnen“ (und wen meine ich damit eigentlich? Schwedinnen, die nach Deutschland aus­gewandert sind?) Falls Menschen mit unter­schiedlichen Diskriminierungs­erfahrungen in einer Gruppe sind: gibt es Politiken, um rassistische oder hetero­sexistische Diskriminierungen zu verhindern bzw. kritisierbar zu machen? Wie kritisch wird das eigene Verhalten als z.B. weiße und/oder hetero­sexuelle Feministin in einer rassistischen und hetero­normativen Gesell­schaft betrachtet? Ist das überhaupt ein Thema? Wenn nicht, wieso nicht? Wen lade ich auf Podiums­diskussionen ein, wer ist zu welchem Thema Expert_in und wieso? (Das sind im Übrigen keine Fragen, die ich alle mit gutem Gewissen beantworten kann. Das sind u.a. Fragen, die ich mir in den Zusammen­hängen, in denen ich aktiv bin, stellen muss und will).

Ich ende also mit einem Fazit, das vielleicht banal klingt, aber in der Praxis für viele Gruppen die größte Schwierigkeit darstellt: Ein Zusammen­arbeiten bedingt große Kritik­fähigkeit, Selbst­reflexion und ein Aufeinander­zugehen bei gleich­zeitiger Aner­kennung von Differenzen – ohne in ein „die“ und „wir“ zu verfallen, was – das merkt mensch viel­leicht an meinem Text – gar nicht immer so leicht ist.

Lesenswertes / Weiterführendes:

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Sylvia Plath: Confessional Poetry im Patriarchat

Mädchenmannschaft - 11 Feb 2013 - 17:07

Screenshot

“[K]eine andere Schriftstellerin [war] für die gegenwärtige feministische Bewegung wichtiger [...], obwohl Sylvia Plath kaum eine Feministin war und sie im Alter von dreißig Jahren starb, bevor die feministische Bewegung begann.” (Elisabeth Bronfen)

Sylvia Plath nahm sich heute vor 50 Jahren das Leben. Leben und künstlerisches Schaffen sind bei ihr stark verwoben, wobei Plaths Werk großes Unrecht angetan würde, wenn versucht würde, ihr Einfallslosigkeit oder Ich-Zentriertheit zu unterstellen. Vielmehr hat Plath wohl das getan, was Françoise Sagan schon über ihr eigenes Schaffen sagte: “Schreiben heißt, etwas zu erfinden, was man schon kennt.”

“I am myself. That is not enough.”

Sylvia Plaths Werk entstand im Amerika der 1960er Jahre, ganz unter dem Eindruck der damaligen Ausprägung der patriarchalen Gesellschaft. Dementsprechend kann ihre Lyrik gelesen werden, sofern ihre Gedichte nach einer Lesart rezipiert werden, die die Vergesellschaftung der damaligen Zeit berücksichtigt, oder, deutlicher: Wenn die Bedeutung der Rolle der Frau in der Männergesellschaft in der Auseinandersetzung berücksichtigt wird.

Plath, die sich zwischen dem Leben als Hausfrau und Schriftstellerin regelrecht aufrieb, artikuliert in ihrem Werk ihr laufendes Unbehagen gegenüber der Männerwelt, umgesetzt in morbiden Bildern, einer düsteren Ambivalenz und einer Grundhoffnungslosigkeit, aus der es anscheinend keinen Ausweg gibt.

“Out of the ash / I rise with my red hair / And I eat men like air.”

“So, so Herr Doktor / So, Herr Enemy”

Ihre eigene Verortung in diesem ganzen System – ob nun familiär oder bezogen auf gesellschaftliche Konventionen – scheint ein immer wiederkehrendes Moment ihrer Dichtung.

“I have always been scared of you,
With your Luftwaffe, your gobbledygoo.
And your neat mustache
And your Aryan eye, bright blue”

Die Vaterfigur wird zum Teufel, der Ehemann zum Vampir (“The vampire who said he was you… and drank my blood for seven years.”), und das Schicksal, zwischen zwei Welten gefangen zu sein (familiäre Reproduktionsarbeit vs bedingungslose Schriftstellerei), teilte sie mit anderen Kolleginnen. Unter anderem mit Marlen Haushofer, die sagte, sie habe gegenüber ihrem Ehemann und der Außenwelt immer das Gefühl gehabt, sie müsse sich als Schriftstellerin doppelt beweisen, damit ihr Schreiben nicht als “Hausfrauenhobby” abgetan werde. Ihr Roman “Die Wand” erschien in Plaths Todesjahr.

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Sookee über One Billion Rising

Mädchenblog - 11 Feb 2013 - 15:23

Jungle World hat Sookee zu One Billion Rising interviewt

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Öffentlich-rechtliche Fernsehsender: Macht endlich euren Job.

Mädchenmannschaft - 11 Feb 2013 - 10:00

Seit Beginn der #aufschrei-Debatte wird an vielen Orten verstärkt über Sexismus diskutiert. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern (ARD, ZDF und den dritten Programmen). Zumeist allerdings in einer Art und Weise, die einer die Nackenhaare aufstellt (RW=Redewendung). Auf change.org ist deshalb einen Petition gestartet worden. Sie fordert von den öffentlich-rechtlichen Sendern: “Klärt endlich angemessen über den Sexismus in dieser Gesellschaft auf!”.

Eigentlich kann es gar nicht oft genug betont werden: Sexismus ist Alltag. Jeden Tag. Auf der Straße. In sämtlichen gesellschaftlichen Einrichtungen. Von der Familie über die Schule bishin zu Behörden jeglicher Art. Und – ganz vorne mit dabei – auch in den Medien. Umso wichtiger eigentlich, dass über das Thema mal wieder gesprochen wird. Aber leider hat die Vergangenheit gezeigt: wenn in den Medien über Sexismus gesprochen wird, dann wird meist auch zugleich Sexismus reproduziert. Und es ist ein gefährlicher Irrglaube, anzunehmen, dass sich dieser Umstand auf private Fernsehformate im Stil von RLT2 beschränkt. Im Gegenteil; die öffentlich-rechtlichen Sender haben hier in den vergangenen Monaten eine traurige Vorreiter*innenrolle eingenommen.

Die Liste mit Beispielen ist lang. Zu lang. Angefangen bei Kachelmann, der auf Jauch’s Studiosofa von einem vermeintlichen “Opferabo” sprechen durfte, das Frauen in Deutschland angeblich inne hätten. Über eine ZDF-Sendung, bei der ein sexualisierter Übergriff als ‘boys fun’ (“Herrenwitz”) abgetan und verharmlost worden ist. Bishin zu der traurigen Diskussionsrunde, die letzte Woche im ARD ausgestrahlt worden ist. Dort sollte es um die Frage gehen, ob Deutschland denn nun eigentlich wirklich dieses besagte Sexismus-Problem habe. Uff.

Für mich als Betroffene ist es immer wieder schmerzhaft, mir diese Sendungen anzutunsehen. Wer dort redet, was dort geredet wird, wie dort geredet wird und welche Schlüsse daraus gezogen werden, entsetzt mich von Mal zu Mal aufs Neue. Hier scheint es den Macher*innen der Petition ähnlich zu gehen. Sie wenden sich an den ARD, das ZDF und die dritten Programme mit den folgenden Worten:

DASS über Sexismus diskutiert und berichtet wird ist gut und richtig und war schon lange überfällig, wie der “Aufschrei” im Netz und die Reaktionen darauf zeigen.

Aber, WIE das Thema, vorallem auch im Fernsehen, diskutiert und dargestellt wird ist furchtbar und unangemessen. Es zeugt von einer dermaßen großen Uninformiertheit, dass es nicht hinnehmbar ist.
Da wird gespottet, gewitzelt, verharmlost, für unwichtig erklärt. Es werden Fakten verdreht oder kommen erst gar nicht auf den Tisch. Es wird reißerisch die allgemeine Sensationslust bedient.
Aber eine gute, aufklärende Berichterstattung, die der Schwere des Themas gerecht wird, die fehlt.

Ja, die fehlt, und dabei wäre genau das die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In der Realität sieht es dann aber so aus, dass wir seit Beginn dieses Jahres monatlich pauschale 17,98 € GEZ-Gebühren zahlen müssen, um einen Rundfunk zu finanzieren, der seinen Auftrag nicht erfüllt. Irgendwas stinkt hier doch gewaltig.

Also, liebe öffentlich-rechtliche Fernsehsender: Fangt doch bitte endlich mal an, vernünftig euren Job zu machen.

(Die Petition benötigt zum derzeitigen Standpunkt übrigens noch mindestens 620 weitere Unterstützer*innen. ProChange hat inzwischen eine weitere Petition gestartet, die ebenfalls noch Unterzeichner*innen braucht und konkrete Forderungen enthält.)

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solidarität auf 2.000 km luftlinie.

Medienelite - 10 Feb 2013 - 20:47

Di Hia und ich haben uns 2012 über eine geschlossene facebook-gruppe kennengelernt, deren mitglieder sich aus weißer und of Color perspektive mit verschiedenen aspekten von rassismus beschäftigten.

wir tauschen uns seit kurzem über unsere lebensrealitäten und politiken aus und entdecken dabei immer wieder neu und immer wieder anders gemeinsamkeiten, parallelen, ähnliche/differente bezugspunkte, wechselnde perspektiven, die eng mit unserem alltag in algier und berlin, aber auch mit unserem erleben von queer_feministischem aktivismus verbunden sind. idee von Di Hia war es, unsere gespräche in textform zu packen und zu veröffentlichen. ich dachte mir so: warum eigentlich nicht?

wir führen unsere gespräche hauptsächlich über skype und facebook, weil uns laut luftlinie.org knapp 2.000 kilometer trennen. was uns verbindet, ist der wunsch nach solidarität in (queer_)feministischen zusammenhängen, kritik an rassismus_kolonialismus, heteronormativität, zwangszweigeschlechtlichkeit, liebe_partner_freund_innenschaft_beziehungen aus weißer_lesbischer und muslimischer_of Color_diaspora_queerer perspektive. Di Hia und ich sind 1985 geboren, to whom it may concern.

im heutigen text dreht sich einiges um die frage nach verbündetsein und solidarität in bezug auf rassismus. viel spaß beim lesen!

  • Nadine: wie ist das für dich mit feministischen räumen und kontexten? was erlebst du da?
  • Di Hia: In Deutschland dachte ich oft, ich bewege mich in feministischen Freundinnenkreisen. Seitdem ich mich aber intensiver mit dem Thema auseinander setze, merke ich, dass das nicht der Fall ist. Ich hab aber auch schon ne Weile nicht mehr in Deutschland gelebt…zuletzt in Österreich, davor in Frankreich. In Deutschland habe ich das eher im Kontakt mit Freundinnen, weißen Freundinnen und weißem Feminismus. Das tat mir nicht gut, da war viel Schmerz dabei
  • In Algerien habe ich in den letzten Wochen ganz wunderbare, kraftvolle feministische Räume kennen gelernt. Ich habe Unterhaltungen, die ich aus dem deutschen Kontext nur aus meinem Onlineaktivismus nicht aber dem real life freundinnenkreis kenne. Das ist ganz spannend und gibt mir so viel!
  • Nadine: kannst du kurz erklären, was du genau mit weißem feminismus meinst in diesem zusammenhang?
  • Di Hia: also viel die Konstruktion von Hilfebedürftigkeit, weißen Retterinnen. Meine weißen Freundinnen, die sich mit Feminismus beschäftigen (wobei ich sagen muss, dass eigentlich keine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema stattfand) blenden oft aus, dass es da noch viele andere wichtige Stimmen gibt. Dass feminismus anti-rassistischen input braucht. Dass mein Kampf einer ander ist als ihrer, ja das glaube ich, ist er nämlich wirklich. Meine weißen Freundinnen waren oft eine schmerzhafte Gefahr für mich. Weil sie in meiner Gegenwart viel rassistische Muster reproduzieren. Das festzustellen, hat meinen Freundinnenkreis minimiert. Das tat weh und gut.
  • Wenn ich weißen Feminismus benutze heißt das für mich, eine beschränkte feministische unkritische Denkweise. Wie ein Satz, der seine Bedeutung verliert, weil ihm das richtige Satzzeichen verwehrt bleibt.
  • ich hab oft den Eindruck, dass der weiße Feminismus den Anspruch hat, Kämpfe kämpfen zu können, die ihn nicht betreffen. Dass er sich Dinge aneignet und instrumentalisiert. Dass er mit rassistischen Strukturen kooperiert. Dass weißer Feminismus ein Solidaritätsproblem hat.
  • Aber ich will mich Feministin nennen können, aber das fällt mir oft schwer weil in der deutschen Mehrheitsgesellschaft der Feminismus mit bestimmten Personen wie Alice Schwarzer in Verbindung steht. und Alice Schwarzer ungefähr zu den Personen gehört, die mich am meisten durch ihre Worte und ihre Machtposition verletzen, wenn es um Personen im öffentlichen Leben geht. Als Alice Schwarzer “die große Verschleierung” rausgebracht hat, habe ich geweint. Das hat mich so gepackt, was sie über Algerien und Algerier*innen in Frankreich schreibt.
  • Meine Mutter hat ihr auch oft blind zugehört. Jetzt nicht mehr. Jetzt achtet meine weiße Mutter darauf, dass die andere Quellen konsumiert. (K)Erben des Kolonialismus ist ihre Bettlektüre. Aber nur weil, wir einen riesen Streit über Rassismus hatten und ich Wochen nicht mit ihr gesprochen habe. Ich habe ihr irgentwann gesagt, ich rede mir dir nicht mehr darüber, wenn du nicht Noah Sow’s Deutschland Schwarz Weiß liest. Sie rief mich nach Wochen an hat sich bei mir für den Lesetipp bedankt. Seit dem haben wir eine sehr wertvolle Basis. hm. ich schreibe das zum ersten mal auf.
  • Nadine: du sprachst davon, dich in algerien ohne deinen partner auf der straße unsicher zu fühlen. andererseits sollten weiße feminist_innen aus deutschland hierzu die klappe halten bzw. eher auf die jeweils vor ort agierenden aktivist_innen und gruppen aufmerksam machen. wie siehst du feministische standpunkte, die schwarzer kritisieren für ihren rassismus, andererseits auch keine vorschläge parat haben, außer eben zu dekonstruieren, was daran rassistisch ist. ich gehöre auch zu dieser gruppe. “uns” wird oft negierung der problemlagen vorgeworfen oder “kulturrelativismus”. ich denke immer, ja mensch, fuck, das ist aber nicht meine baustelle. andererseits will ich auch die augen nicht verschließen. ich sehe dennoch, dass probleme in anderen regionen der welt von deutschland aus so schwer zu kritisieren sind, weil ihnen immer ein “othernder”, kolonialisierender blick zugrunde liegt und sprechakte aus einem rassistischen system heraus erfolgen. die einzige möglichkeit, die ich derzeit in betracht ziehe, nicht allzu oft über “woanders” zu schreiben, bei mir zu bleiben und zu gucken, dass ich mit dem, was ich sage, keine rassismen reproduziere. und stimmen vor ort stärke, darauf hinweise. oft komme ich mir trotzdem vor, als ob ich in der eigenen suppe koche. wie ist deine einschätzung dazu?
  • Di Hia: Ich glaube, dass die Gründe weshalb ich mich ohne meinen Partner unsicher auf der Strasse fühle, so komplex sind, dass jemensch im weißen deutschen Kontext das nur schwer nachvollziehen kann. Ich glaube, es hat tiefere Gründe, weshalb sexualisierte Gewalt für mich hier so präsent ist. Und um das zu verstehen, müssen wir glaube ich verstehen, wie Gewalt entsteht. Und was das Land für Gewalterfahrungen auf dem Buckel hat. Marieke hat das hier mal treffend auf den palästinensischen Kontext beschrieben. Ich glaub der Satz trifft es aber auch auf einen breiteren Umfang ganz gut: “Violence does not only leave visible traces but also affects the inner lives of people, their interpersonal relationships, the social structure they live in and the collective’s sense of self. Trauma through violence is a humanitarian issue in the sense that it creates psychological diseases just as physical ones, but it also carries implications for any future attempt of conflict transformation or state-building. “
  • Vielleicht können “wir” Feminist_innen uns darauf einigen, dass wir uns Solidariät signalisieren und gemeinsam nach Lösungen suchen, wenn weißen Feminist_innen kommuniziert wird: wir brauchen Unterstützung oder Input. Ich weiß nicht, was mir onebillion rising oder terres des femmes etc. hier bringen soll. Meine Schwestern hier wissen vielmehr, was wir brauchen. Es gibt hier Aktivismus! Es gibt hier einiges, was Feminist_innen machen. Nur bekommt das der weiße Feminismus nicht mit. Ich vermute, dies liegt an mehreren Dingen: Sprachbarriere, priviligierte Positionen den eigenen Aktivismus relativ öffentlich leben zu können, Ignoranz, eigene Baustellen. Hinzukommt auch, das weiß ich von meinen feministischen Schwestern hier, dass sie sehr vorsichtig sind, sich weiße Unterstützung zu holen. Die Angst vor Paternalismus ist groß.
  • Ich wünsche mir, wenn ich von sexuellen Übergriffen berichte, einfach: Dihia, das tut mir leid. So eine Scheiße. Kann ich was tun, damit es dir besser geht? Das hilft mir immer sehr. Solidaritätsbekundung.
  • Nadine: danke. irgendwie passt das zum konzept des verbündetseins. eher zu fragen: wie kann ich dich/euch unterstützen? wie kann ich kraft schenken? als: LASS MICH DEINE PROBLEME LÖSEN EINSELF!
  • Di Hia: JAAAAAAAAAAAAAAA. genau genau genau.
  • Nadine: ich denke eben auch, dass kraft schenken/solidarität zeigen ist: die eigene weiße truppe zu sensibilisieren. leute wie schwarzer zu kritisieren. gerade ist ja großes critical whiteness gebashe unter weißen, weil die eine seite behauptet: hey, wir müssen mal probleme (woanders) angehen und nicht im eigenen saft schmoren, die andere so: ääh none of your business, krieg’ erstmal deinen rassismus klar.
  • Di Hia: ja, spannend! auch bei verlinkungen oder texte schreiben eben nicht-weiße quellen nehmen etc. und das ist es auch: es ist so eine bequeme Art, sich vielleicht doch nicht mit dem eigenen Rassismus auseinander zu setzen, aber dafür mit den armen Frauen in Indien. Oder Mali. oder wo auch sonst. Aber hey, warum trauen uns weiße Frauen weniger zu als sich selbst? Was ich mir wünsche, ist dass weiße Feministinnen ihre Position fair und solidarisch nutzen. Und dann sprechen, wenn ich oder andere nicht können. Aber nicht für mich sprechen. Und genau das sollte ich auch tun.
  • Nadine: bestimmte prozesse müssen alle für sich tun, finde ich. diese denke von globalsisterhood und wir frauen und alle sind gleich verhindert solidarität und bündnisse. viele weiße können es kaum ertragen, sich irgendwie partikular zu fühlen. obwohl sie die ganze zeit eigentlich nur um sich selbst kreisen. und ihren mist dann universalisieren. ich denk mir neben dem solidaritäts- und unterstützungsgedanken kann auch im vordergrund stehen zu schauen: wo kämpfen wir an ähnlichen baustellen, welche politiken benutzen wir gemeinsam? strategische bündnisse, die nicht von dauer sein müssen. ich finde das soviel empowernder als die ganze zeit nur im wirfrauensprech zu politisieren.
  • Di Hia: ja, nadine, das finde ich hast du gut formuliert. Ich will mir z.b auch nicht den Kampf von dir und deiner Partnerin aneignen und cookies dafür einsacken, dass ich sage: heteronormativer scheiß. also eben…einfach meine verbundenheit signalisieren und dort unterstützen wo es eingefordert wird
  • Nadine: eben. es ist ja nicht so, als ob die leute nicht sprechen könnten. sie werden eben nicht gehört.
  • Di Hia: Ja. Einfach auch n Bewusstsein in den eigenen Kreisen schaffen, wer hört wen wann und wie
  • Nadine: wie mich das nervt in weißen mainstream feminismus kontexten, wenn ständig von: “wir sind anschlussfähig und ihr rassismuskritischen weißen hockt in der akademie” die rede ist. in diesen räumen kann sich aber keine_r über rassismus beschweren, weil auch keine betroffenen anwesend sind. auch dort, wo bündnisse versucht werden, passieren ausschlüsse, passiert diskriminierung, entstehen schmerzhafte erfahrungen, wie du sie auch gemacht hast. da muss noch viel passieren, auch bei mir. aber wenn ich es nicht probiere, mal anders zu machen… dann wird das nichts werden. ich muss mir eingestehen, dass bündnisse scheitern, weil ich es einfach nicht auf die reihe kriege. ich glaube, dass viele weiße an dem punkt dann aufgeben und sich wieder ihren eigenen themen zuwenden, was ja auch viel einfacher ist. bloß keine fehler machen. bloß nicht kritik abkriegen (auch von weißen, die antirassismus/rassismuskritik kacke finden). zum verbündetsein gehört mehr als zuhören, mehr als stimmen sicht-/hörbar machen, auch die eigene realität, die eigene politik radikal in frage stellen zu können. themen anders setzen, den fokus verschieben, der bruch mit freund_innen oder kolleg_innen.
  • Di Hia: Ja. Ich würde noch mal gerne hierdrauf zurück kommen: “die einzige möglichkeit, die ich derzeit in betracht ziehe, nicht allzu oft über “woanders” zu schreiben, bei mir zu bleiben und zu gucken, dass ich mit dem, was ich sage keine rassismen stärke. und stimmen vor ort stärken, darauf hinweisen. oft komme ich mir trotzdem vor, als ob ich in der eigenen suppe koche. wie ist deine einschätzung dazu?”
  • Ich finde das einen wichtigen Schritt, dass du bewusst versuchst keine Rassimen zu stärken. Und ja, bitte schreib nicht über “woanders” , das woanders betrifft mich oft und schmerzt. Aber: Ist es nicht schon ganz wunderbar sich auf einen kleinen Bereich zu beschränken? Wenn wir das alle machen trägt das glaub ich tolle Früchte. Ja, es ist eine eigene Suppe irgendwie…irgendwie aber auch nicht. Weil wenn wir es schaffen, parallel dazu unsere Solidarität zu kommunizieren…sind wir auf einem guten Weg, oder?
  • Ja, zu dem Bruch. Also ich habe einige Freundinnenschaften in den letzten Jahren als Konsequenz und …hmm ich nenne es mal eigene gelebte Solidarität, aufgegeben. Solidarität mit mir und meinen Schwestern aber auch von anderen-ismen betroffenen Leuten. Ich habe gerade das Gefühl erst am Anfang von einer langen “Konsequenzen ziehen” Episode zu sein.
  • Nadine: ich finde das auch den schwierigsten punkt: gelebte solidarität, die nicht bei lippenbekenntnissen und kritik an rassismen im theoretischen endet, sondern ganz bei mir ist und meinen sozialen nahfeld, meiner täglichen politischen praxis.
  • Di Hia: Was du zum verbündet sein schreibst ist glaub ich eher möglich, wenn wir ein gutes Umfeld haben und positives Feedback bekommen. Wenn es dann aber so Umrisse annimmt, wie z.b in der unlearning Gruppe, hilft das nicht viel. Und dann kommt dein Bild von der eigenen Suppe noch mehr zur Geltung, oder? Wir müssen glaub ich was unsere Privilegien angeht aus der Comfort Zone ausbrechen, und das braucht eben eine Crew die dich stützt und stärkt und manchmal auch einfach deine Tränen trocknet
  • Nadine: tränen? du meinst, wo ich mein white whining auslassen kann ohne zu verletzen?
  • Di Hia: nein! ich meine, dass wenn ich mich von einer freundin verabschiede, weil die freundinnenschaft kein sicherer ort für mich ist, oder weil sie rassistische oder andere kackscheiße labert, dann tut das ja weh. und da auch solidarität zu spüren. leute die sagen: ja, schmerzt, aber ist besser so.
  • Nadine: ja das ist wichtig, dass mensch da eine gruppe im rücken hat, die immer wieder bestärkt, dass radikale solidarität wichtig ist. nur: die gruppen haben nicht alle. gerade in diesem punkt bin ich froh, dass es das internet gibt.
  • Di Hia: genau! und da wäre es doch schön zu überlegen, wie können wir die finden und überhaupt schaffen? wie kann ich teil so einer gruppe werden?
  • Nadine: da kommt oft der vorwurf, dass diese gruppen elitär wären, ausschluss von leuten, die einfach noch nicht so viel erfahrung haben oder hier und da lücken. ich kann das nicht nachvollziehen, um ehrlich zu sein. das ist ja an sich auch keine eingeschworene gemeinschaft. sondern es sind eben auch solidarische, temporäre bündnisse/bündnispartner_innen. wir wissen voneinander, dass wir ähnliche politiken haben und dass wir genauso lücken haben, die es zu schließen gilt. wenn du bereit bist, dich und deinen alltag zu hinterfragen, dann kann es eigentlich nur gut werden.
  • Di Hia: Daumen nach oben. ohne diese internetcrew wäre ich ganz schön traurig.

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Ganz oben. Eine “weibliche Führungskraft” erzählt

Antje Schrupp - 10 Feb 2013 - 10:58

So richtig viel Neues darüber, wie es in den Top-Führungsebenen von Unternehmen zugeht, ist aus dem Buch nicht zu erfahren, aber es ist noch einmal schön aufgeschrieben und wird anhand von allerlei konkreten Geschichten anschaulich. Die anonyme Autorin erzählt aus ihrem Leben in der oberen Managemant-Etage. Hat man in einem Tag durchgeschmökert.

Neben den schon fast schon zum Klischee verkommenen Running-Gags à la “Wer hat den Größten?” (den größten Dienstwagen, das größte Büro, Gähn) fand ich vor allem interessant, wie sehr gutes Benehmen in diesen Ebenen offenbar abgelegt werden muss, um es “zu etwas zu bringen”. Mich in meiner Naivität können Informationen wie die noch schocken, dass man, wenn man mit Top-Managern eine gemeinsame Antipasti-Platte gereicht bekommt, keinesfalls darauf warten darf, dass sie einer was übrig lassen – wer sich nicht mit Ellenbogen seinen Anteil verschafft, knabbert am Salatblatt.

Oder auch die, dass Praktikumsplätze ganz ungeniert so vergeben werden, dass zuerst die hübschesten jungen Frauen aussortiert werden, um dann unter denen die Qualifizierteste zu nehmen – das Auge isst ja sozusagen mit. Übrigens gelte das Prinzip “Schönheit hilft weiter” dann aber jenseits des Praktikumsplatzes nicht mehr, schreibt Anonyma. Eine Frau, die in eine Führungsposition kommen will, dürfe weder besonders hübsch noch besonders hässlich sein, sondern muss mittelmäßig aussehen. Klar: Wenn der Mann gegenüber unbedingt mit dir ins Bett will, wird er nicht zuhören, und wenn er sich bei der Vorstellung, mit dir im Bett zu liegen, ekelt, wird er dir auch nicht zuhören.

Ich kann nicht beurteilen, inwiefern das alles noch immer so stimmt, weil ich soziale Orte, an denen ich allein unter Männern bin, meide – dort gefällt es mir nicht. Aber ich finde es gut, wenn diejenigen Frauen, die dort sind und sein wollen, anfangen, über ihre Erlebnisse zu sprechen, allein schon, damit die Diskussion in Gang kommt. Wenn das dann andere dazu bringt, zu beschreiben, was sie anders erleben,  umso besser.

In der Zusammenschau machen die erzählten Begebenheiten auf jeden Fall klar, dass Führungspositionen in Unternehmen immer noch sehr eng mit einer bestimmten Performanz von Männlichkeit verknüpft sind. Es geht hier nicht um die möglichst effektive Organisiation von Wirtschaftsleben, sondern es geht um ein “männliches Imaginäres”, das in einer ermüdenden Endlosschleife immer wieder reproduziert wird.

Und das ist auch das Dilemma jeder Frau, die sich hier bewegt: Ein Mann, der Chef wird, vergrößert seine Männlichkeit. Eine Frau, die Chefin wird, vergrößert jedoch nicht ihre Weiblichkeit, im Gegenteil, sie setzt sie aufs Spiel. Solange das so bleibt, werden diese Positionen für Frauen unweigerlich weniger attraktiv sein. Sie haben dort einfach viel weniger zu gewinnen als Männer.

Anonyma bringt das so auf den Punkt: “Im Prinzip muss man als Frau ein Mann sein, um Karriere zu machen, doch man darf sich keinesfalls so verhalten wie ein Mann. Man muss es schaffen, als Frau geschlechtsneutral betrachtet zu werden und trotzdem die Kompetenzen, die man als Frau mitbringt, einzubringen. Dann kann es funktionieren.”

Anonyma: Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft. H.C. Beck, München 2013, 160 Seiten, 14,95 Euro.


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Samstagabendreflexion: One Billion Rising

Mädchenmannschaft - 9 Feb 2013 - 19:18

Wer bei youtube die Suchwörter “One Billion Rising” (wahlweise mit der Stadt oder dem Land eurer Wahl) eingibt, findet hunderte Videos – Musikvideos, Sprachbotschaften, Tanzanleitungen – die sich an der Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* beteiligen, die auch in vielen Städten in Deutschland stattfinden wird. Für unseren Samstagabendbeat wollte ich ein paar schöne Video raussuchen, denn nächste Woche, am 14. Februar, findet One Billion Rising statt.

Etwas irritiert war ich über so manches unglaublich gewaltvolles Video, bei dem ich mich schon fragen muss, ob diese krasse Inszenierung von (sexualisierter) Gewalt wirklich sein muss… Um Menschen ‘wachzurütteln’? Menschen, die betroffen sind von dieser Gewalt müssen bestimmt nicht ‘aufgeweckt’ oder ‘wachgerüttelt’ werden, sondern werden im schlimmsten Fall re-traumatisiert. Ein anderer Aspekt ist die teils problematische Bezugnahme auf Gewalt, die i.d.R. nicht in westlichen Ländern verortet wird. In einer Bewegung, die primär von Initiator_innen aus Ländern wie den USA oder Deutschland getragen wird, stellt sich die Frage, wer an der Konzeption mitgearbeitet hat und aus welcher Perspektive Geschichten von Frauen* und Mädchen* weltweit erzählt werden. In ihrer Stellungnahme (PDF) zu One Billion Rising kritisiert GLADT e.V., dass in dem Kampagnenvideo der Initiatorin Eve Ensler rassistische Stereotype reproduziert werden: sexualisierte Gewalt wird nur von Schwarzen Männern ausgebübt, Weiße Frauen sitzen ordentlich gekleidet im Großraum-Büro, während Women of Color ohne jegliche Tätigkeit in der Wüste laufen.

Auch Nadia hat auf ihrem Blog Shehadistan aufgeschrieben, was sie stört: der Fokus auf’s Tanzen. Rambling Rose stellt in ihrem Blog ewig unzufrieden ebenfalls fest, dass der rassismus- und heteronormativitätskritische Blick fehlt.

Da wir Samstagabend für gewöhnlich einen Samstagabendbeat veröffentlichen, habe ich zwei Videos rausgesucht, die ich hingegen ganz schön finde.

“Break the Chain” von V-Day

… und die Rapperin Sookee mit ihrem eigens für One Billion Rising geschriebenen Song:

Bei dem Videodreh war ich übrigens dabei, wer genau hinschaut sieht mich ab und zu mal abdancen ;) Im Vorfeld hatten ein paar Freund_innen und ich uns übrigens Gedanken gemacht, wie in dem Video mehr Sichtbarkeit für Körper geschaffen werden kann, die nicht der schlanken Norm entsprechen. Außerdem wollten wir etwas machen, was nicht mit Sport oder viel Bewegung zu tun hat, denn auch das ist ja etwas, was nicht für alle gleich attraktiv oder einfach ausführbar ist. Dazu hatten wir uns eine Szene ausgedacht, die es leider nicht ins Video geschafft hat: Zwei weiblich sozialisierte Menschen, eine davon fett* sitzen gemütlich irgendwo, essen Muffins, necken sich und schmieren sich den Zuckerguss ins Gesicht. Leider, leider taucht es nicht im Video auf, aber nun ist es eurer Phantasie überlassen, euch das vorzustellen.

* Selbstbezeichnung

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Sex, “Normalität” und Rötelimpfungen – die Blogschau

Mädchenmannschaft - 9 Feb 2013 - 11:11

Melanie hat bei glücklich scheitern noch ihren “Senf zu #aufschrei” veröffentlicht, übt Kritik und berichtet von eigenen Erfahrungen. Bei Anarchistelfliege wird schon einmal gefragt, was denn vom #aufschrei bleibt.

Wie über den Islam und Muslime schreiben? Bei den ruhrbaronen gibt es Hinweise.

riottrrrans rechnet mit dem Konzept “Sex” ab und schreibt da unter anderem: “Sex zur partner_innenschaftlichen Pflicht zu erklären, schafft die Grundlage für die Überschreitung körperlicher Grenzen und führt zusätzlich dazu, dass Menschen, schon ohne den partner_innenschaftlichen Vorwurf, ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht mit ihrer/ihrem Partner_in schlafen.”

Katrin von Reizende Rundungen zeigt eine kreative Antwort auf die typischen Diätwerbungen – da heißt es dann “Shame Loss” statt “Weight Loss”.

Nächste Woche findet der Aktionstag zu One Billion Rising statt. Zu diesem Anlass gibt es bei ewig unzufrieden eine differenzierte Kritik an dem Konzept.

Identitätskritik schreibt über aktuelle Therapieerfahrungen, denn: “In einem Tweet in den letzten Tagen schrieb ich, dass weniger Gewalt auch eine Alternative wäre zur nächsten Therapie. Leider kann ich mir das mal wieder nicht aussuchen.”

Vor acht Jahren starb wurde Hatun Sürücü ermordet. Sakine erinnert an sie auf textprodüksiyon.net.

Was heißt eigentlich “normal”? Und was macht das, wenn ständig mit diesem Konzept um sich geworfen wird? Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es dazu einen unbedingt lesenswerten Beitrag.

Antiprodukt twitterte “Wie gehen überhaupt die Zwangs-Rötelimpfungen bei Grundschülerinnen in der Schule klar? “Damit du später mal eine gesunde Wurfmaschine bist”” und analysiert das weiter in einem Blogbeitrag.

Seit einem Jahr gibt es den Blog Auf Zehenspitzen (Gratulation!) und zum Jubiläum gibt es ein kleines Resümee zum Umgang mit Elternschaft.

Die queerfeministische Gruppe diss_ analysiert, was an Femen problematisch ist.

Zwischengeschlecht berichtet, dass der UN-Sonderberichterstatter für Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung sich zu missbräuchliche Praktiken im Gesundheitswesen geäußert hat und da auch auf Zwangsoperationen bei Intersex-Menschen eingeht.

Es gibt ein neues Blog in der feministischen Blogosphäre! Bei queerdenke_n gibt es seit einigen Tagen “Subjektives über Feminismus, Queerness & Sexualität“.

Und für alle die heute Abend in Berlin sind und noch nichts vor haben: Mit “Take Back the Night” startet eine radikalfeministische Partyreihe
für trans*_dykes_woman only.

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Dinge, die du nicht mehr sagen solltest, außer du hasst dicke Menschen (Teil 1)

Mädchenmannschaft - 8 Feb 2013 - 16:30

Dieser Text ist eine Übersetzung. Das Orginal erschien unter dem Titel “21 Things to Stop Saying Unless You Hate Fat People”, wurde von Issa Waters verfasst und steht unter Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Unported License. Für den Hauptteil der Übersetzungsarbeit bedanken wir uns bei “zwei reproarbeitsfreundlichen Lila Pudel”. Der zweite Teil des Textes wird nächste Woche folgen, hier gibt es heute die ersten zehn Hinweise:

Du hast wahrscheinlich schon einmal gehört, wie eine Aussage als ›dickenfeindlich‹ bezeichnet wurde, die du für okay hieltest, oder die du selbst getätigt hast. Vielleicht hasst du keine dicken Menschen. Vielleicht hast du keine Angst vor dicken Menschen. Vielleicht würdest du dicke Menschen bei der Vergabe von Jobs nicht benachteiligen oder sie in einer anderer Art und Weise unterdrücken. Vielleicht sind viele deiner Freund_innen dick.

Vielleicht bist du sogar selbst dick.

Du könntest dennoch regelmäßig Dinge sagen, die zur sehr realen Misshandlung und Diskriminierung dicker Menschen beitragen. Für den Fall, dass du ein guter Mensch bist, der das nicht mehr möchte, habe ich eine Bestandsaufnahme an Ideen zusammengestellt, die zu Unterdrückung dicker Menschen beitragen. Manche davon sind groß, manche klein, aber sie summieren sich zu einer ernsten Verflechtung von Stigmatisierung, die die Lebensqualität dicker Menschen beeinflusst.

Dinge die du in Gesprächen unterlassen musst, außer du willst an der Herabwürdigung dicker Menschen teilhaben:

1. Feststellen, dass eine bestimmte Kleidergröße, eine bestimmte Körperform oder ein bestimmtes Gewicht weniger okay ist.

  • Beispiel: “Fülligere Frauen sind attraktiver, aber 180kg? Nein.”
  • Beispiel: “Es ist ok füllig zu sein, solang du keine Speckröllchen hast.”

Akzeptanz für Dicke gilt für alle dicken Menschen. Wenn du eine Grenze ziehst – 180kg, 190kg, Apfeltyp, Personen mit Bewegungseinschränkungen, usw. – und du sagst, die Menschen auf der einen Seite sind okay und die Menschen auf der anderen sind es nicht, dann bist du ein Teil des Problems.

2. Wie ein_e Ernährungsberater_in aufführen, sobald eine dicke Person etwas “gesundes” isst.

  • Beispiel: (Wenn ein Salat bestellt wurde): “Sehr gut, das ist gesund und gut für dich!”

Wie herablassend kann ein Mensch nur sein? Du weißt nichts darüber, welches Essen die Person sonst zu sich nimmt und warum sie dieses Essen gerade bestellt hat. Selbst wenn du es wüsstest, wie seltsam ist so ein bewertender Kommentar? Behalt ihn für dich!

Es sollte nicht nötig sein zu erwähnen, dass du dir auch die Kommentare zu “ungesundem” Essen sparen kannst, wie sie die Person, die diesen Post geschrieben hat, aber zu hören bekommt.

3. Das moralisierende Sprechen über Essen

  • Beispiel: Leser_in AmandaLP schlug vor: “Was mich am meisten stört ist dieses Diätgerede oder das ständige Rechtfertigen der eigenen Essenswahl. ‘Oh, ich kann mir diesen Cupcake leisten, ich verdiene es, ich habe trainiert’ – als ob Menschen, die nicht trainieren, keinen leckeren Süßigkeiten ‘verdienen’ würden. Oder das ‘Oh, ich war beim Mittagessen ungezogen, ich esse einen Salat’, als ob sie sich dafür bestrafen, weil sie leckeres Essen essen.”

Essen ist viel: Es ist Trost, es sind Kalorien, es ist Teilhabe, es ist Geschichte und Tradition, und es ist verdammt lecker. Nur zwei Sachen ist es nicht, GUT oder SCHLECHT (außer vielleicht E. Coli). Und du bist kein guter oder schlechter Mensch aufgrund von Essen.

4. Beiläufiges Erwähnen von Cheetos, Donuts, Bonbons oder McDonalds im Zusammenhang mit dicken Menschen.

  • Beispiel: “Der Typ muss einen Vorrat an Cheetos haben” um scherzhaft zu sagen “Der Typ ist dick.”

Dünne Menschen essen diese Sachen auch. Diese Sachen unnötigerweise in Zusammenhang mit dicken Menschen zu setzen, stellt unangebrachte Verbindungen zwischen Körpergewicht und bestimmtem Essen her.

5. Überrascht reagieren, wenn eine dicke Person aktiv ist.

  • Beispiel: Meine Freundin Kitty sagte: “Manchmal ernte ich schockierte Blicke und jemand sagt ‘Wow, du bist eine gute Tänzerin’, als ob sie aus irgendeinem Grund bei dem Gedanken daran, ob ich tanze, beschlossen hätten, dass ich dazu sicher nicht fähig wäre.“
  • Beispiel: “Sie ist eine wirklich gute Läuferin für ihre Figur!”

Diese Verwunderung über aktive dicke Menschen gibt es in unterschiedlichsten Ausprägungen. Auf der einen Seite gibt es Arschlöcher, die sich aus Autos lehnen und dicke Menschen verspotten, die Laufen oder Fahrrad fahren. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die meinen sie währen ermutigend, wenn sie eine dicke, trainierende Person mit einem “Gut für dich!” herablassend ansprechen.

Wenn du es nicht lassen kannst, entweder herablassend oder ein Arschloch (oder beides) zu sein, bedenke: Eine der Sachen, die die Menschen am meisten antreibt, ist der Wunsch, dazuzugehören. Wenn du eine Person hervorhebst, weil das was sie tut seltsam oder ungewöhnlich ist, selbst wenn du es nur erwähnst, dann wird die Person sehr wahrscheinlich ihre Lust an dieser Aktivität verlieren.

Was auch immer dich motiviert – dicke Menschen, die Sachen machen sind nicht seltsam, also halt’s Maul.

6. Buchstäblich alles über Diäten, weniger essen oder mehr trainieren im Zusammenhang mit Dicksein.

Die ganze restliche Welt spricht über Diäten. In 99% der Welt ist es total willkommen über Diäten und Training zu reden. Wenn du das in dickenfreundlichen Gesprächen erwähnst:

  • Nimmst du uns den wenigen Raum, den wir für uns selbst geschaffen haben.
  • (Re)traumatisierst du möglicherweise dicke Menschen, die verzweifelt versuchen, ihr Verhältnis zu Essen in Ordnung zu bringen.
  • Ziehst du sehr wahrscheinlich voreilige Schlüsse, weil du keine Ahnung von den Ess- oder Trainingsgewohnheiten der fraglichen dicken Personen hast.
  • Und du langweilst. Es gibt nichts, was du über Essen und Training sagen kannst, was dicke Menschen nicht schon tausend Mal gehört hätten.

7. Zwanghaft Gesundheit in irgendeine Unterhaltung über Dicksein einwerfen.

Es ist fast unmöglich geworden, über Dicksein zu reden, ohne über Gesundheit zu reden, weil es immer irgendeine_r anspricht. Aber so schwierig es sein mag, so wichtig ist es, diese beiden Sachen auseinander zu halten. Dicksein ist ein Körpertyp. Es ist eine Körperform oder ein Körperumfang. Das war’s.

Wir haben alle gehört, dass dicke Menschen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten hätten (Diabetes ist das beliebteste zum Witze reißen), und dann prägt sich unsere moralische Panik diese Assoziation ein. Menschen mit einer blassen Haut haben ein erhöhtes Hautkrebsrisiko, aber das wird nicht beiläufig in Gesprächen über sie erwähnt. Es gibt einfach keinen Grund, jedes Mal über Gesundheit zu reden, wenn das Thema Dicksein aufkommt.

8. Dicksein mit Gesundheit gleichsetzen.

  • Beispiel: “Ich verstehe diesen Dickenaktivismus nicht. Nur weil einige Menschen dick sind und damit kein Problem haben, heißt das doch nicht, dass wir Leute nicht dazu ermutigen sollten ihre Gesundheit zu verbessern.”
  • Beispiel: “Meine Mutter hat Diabetes, trainiert nicht, ernährt sich nicht gesund und ist nicht glücklich mit ihrem Gewicht. Ich bin besorgt wegen ihrer Gesundheit, wie kann ich da dickenfreundlich sein?”
  • Beispiel: Das Titelbild des People Magazine zeigte neulich Jennie Garth mit der Aussage: “Wie ich 30 Pfund verlor… Der 90210 Star reden offen über das gesund werden.”

Siehst du, was hier passiert? Dicksein und Gesundheit sind zwei verschiedene Dinge. Du kannst dick und gesund sein. Du kannst dünn und ungesund sein. Du kannst ein Loblied über Dicksein singen und dich gleichzeitig für gesunde Entscheidungen einsetzen. Du kannst ‘gesundheitsbewusst’ sein, aber es wird für die meisten Menschen nicht zu Gewichtsverlust führen. Gewicht und Gesundheit sind einfach zwei total verschiedene Sachen.

9. Dicksein mit irgendwas anderem gleichsetzen.

  • Beispiel: Das vorherige Beispiel mit dem Titelbild von Jennie Garth, “Wie ich 30 Pfund verlor” wurde beiläufig gefolgt von “(Und ich bekam mein Leben zurück)”.
  • Beispiel: Ein interaktiver Graph bei Scientific American wurde auf einer Seite betitelt mit “Ungesunde Verhaltensweisen nehmen zu”. Die dargestellten Werte bezogen sich auf hohen Alkoholkonsum, Kampftrinken, Rauchen, Fettleibigkeit und Training.

So wie Dicksein nicht gleichzusetzen ist mit Gesundheit, so ist es nicht mit irgendetwas anderem gleichzusetzen. Es ist sicherlich nicht ‘dein Leben’. Es ist keine ‘Verhaltensweise’. Ist dir außerdem aufgefallen, wie viele Filmbösewichte dick sind? Oder wie viele fiktionale Charaktere, die dick sind, auch Faulpelze sind? Dicksein heißt nicht böse oder faul oder schmutzig oder unordentlich oder irgendwas anderes als dick zu sein. Es ist einfach nur ein Körpertyp. Nutze es nicht als Strohpuppe für andere Ziele oder Charakteristiken.

10. Gewichtsverlust als Behandlung oder Lösung für irgendwas vorschlagen, selbst wenn du Ärztin_Arzt bist.

  • Beispiel: “Wenn du ein paar Kilos verlieren würdest, dann würde deine Akne auch verschwinden.” oder “Als ich abgenommen habe, wurde das mit meinen Allergien auch viel besser.”

Weil signifikante und anhaltende Gewichtsabnahme für die meisten Menschen nicht möglich ist, und bewusste Gewichtsabnahme auch mit Gesundheitsrisiken verbunden sein kann, ist die Empfehlung dazu grausam und unethisch. Außerdem werden wirksame Heilmethoden aufgeschoben, wenn erst einmal Gewichtsabnahme verschrieben wird. Alle verdienen, dass ihre Umstände ernstgenommen werden und dass sie eine effektive Behandlung erhalten, auch wenn sie dick sind.

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Rassistin? Ich?

Mädchenmannschaft - 7 Feb 2013 - 19:00

Diese Kolumne ist zuerst bei der taz erschienen.

Vor ein paar Jahren besuchte ich in Wien ein Café und entdeckte dort auf der Karte „M*** im Hemd“ mit einer leckeren schokoladigen Beschreibung. Ich hatte aber bereits bestellt und schrieb später auf Facebook: „Das nächste Mal in Wien möchte ich M*** im Hemd essen.“ Es hagelte Kritik. „M***“ sei eine rassistische Bezeichnung für Schwarze. Einer schrieb, ich sei eine Rassistin.

Aber, aber, schrieb ich, das hätte ich doch nicht so gemeint. Ich fühlte mich zu Unrecht kritisiert. Ich hatte doch keine böse Absicht.

In den letzten Wochen tobte es in der deutschen Feuilletonlandschaft. Nach der Ankündigung des Verlegers des Kinderbuchs „Die kleine Hexe“, in der neuen Ausgabe unter anderem das N-Wort zu ersetzen, veröffentlichte die Wochenzeitung Zeit eine Titelgeschichte zu dem Thema. Nicht nur dort, sondern auch anderswo verteidigten zahlreiche Feuilletonisten das N-Wort, und so manch einer witterte Zwang, gar Zensur.

Diese neue politische Korrektheit verunsichert. Wenn ein rassistisches, sexistisches, homophobes oder sonst wie diskriminierendes Wort in Zeitungen auftaucht, gibt es Furore in Blogs, Kommentaren und Leserbriefen. Das ist so im Zeitalter des Internets. Kritiker_innen müssen nicht mehr auf die Veröffentlichung ihres Leserbriefs hoffen, sie können in aller Öffentlichkeit für alle einsehbar in Blogs schreiben. Das Machtgefälle hat sich verändert, das verunsichert.

Es geht hier deshalb nicht nur um eine neue politische Korrektheit, sondern auch um eine neue Verunsicherung. Darum, dass Journalist_innen und Schriftsteller_innen angreifbarer geworden sind. Was darf man denn jetzt noch sagen? Dann folgt der Ärger über diese Unsicherheit und dann die Stellvertreterdebatte darüber, warum das N-Wort in der „Kleinen Hexe“ erhalten bleiben müsse.

Es muss „Schokohupf“ heissen

Aber die Rassismuskritiker_innen könnten auch mal verständnisvoller kritisieren, heißt es dann. Schließlich habe man ja keine bösen Absichten. Ich bin mir sicher, dass Sarrazin keine bösen Absichten mit Deutschland hat. Und Buschkowsky will sicher auch nur das Beste für Neukölln. Aber die Welt endet glücklicherweise nicht dort, wo unser intellektueller Horizont aufhört.

Zugegeben, ich fand’s nicht nett, wie man mir erklärte, dass meine Wortwahl politisch nicht korrekt sei. Aber „M*** im Hemd“ ist auch kein netter Ausdruck. Er ist rassistisch. Und der Schaden, den diese Wörter verursachen, ist größer und ernster zu nehmen als mein vorübergehend verletzter Stolz. Und wäre die Kritik sanfter gewesen, hätte ich sie dann wahrgenommen? Ich weiß es nicht. Würden sämtliche Zeitungen über die Verwendung des N-Wortes debattieren? Bezweifle ich. Hätte ich mich damals mit der rassistischen Sprache auseinandergesetzt und versucht, aus meinem Fehler zu lernen? Vermutlich nicht.

Unsicherheit ist wichtig, damit wir uns und unsere Sprache reflektieren. Was bewirken wir mit dem, was wir sagen – auch wenn wir es nicht so meinen? Wenn wir ernsthaft gegen Rassismus vorgehen wollen, dann gehört das mit dazu.

„M*** im Hemd“ muss „Schokohupf“ heißen. Und hätte ich damals mal richtig nachgelesen, wäre mir aufgefallen, dass ich ihn als Muslimin ohnehin nicht hätte essen können. Da ist Rotwein drin.

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Black History Month: An Schwarze (deutsche) Geschichte erinnern

Mädchenmannschaft - 7 Feb 2013 - 10:00

Wie jedes Jahr findet im Februar der Black History Month statt, der auf den Historiker Carter G. Woodson zurückgeht. Er initiierte 1926 eine Veranstaltungsreihe, “um die breite Öffentlichkeit in den USA über Schwarze Geschichte und die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen der afro-amerikanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen.” (Quelle: ISD)

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) organisierte 1990 erstmalig eine Veranstaltungsreihe zum Black History Month in Hamburg. Seitdem organisieren Afrodeutsche, Schwarze und People of Color, die in Deutschland leben, jährlich Veranstaltungen in größeren deutschen Städten, um die Geschichte Schwarzer Menschen (und ihres politischen Engagements) zu würdigen. Nadia hat bereits am Montag damit angefangen und auf den 100. Geburtstag von Rosa Parks hingewiesen.

Nachfolgend findet ihr eine kleine Veranstaltungsübersicht zu Hamburg, Frankfurt a.M. und Berlin. Falls ihr Termine in eurer Stadt parat habt, die hier nicht aufgelistet sind, freuen wir uns über Ergänzungen in den Kommentaren. Hier findet ihr eine umfangreiche Übersicht zu Organisationen, die sich postkolonialer und antirassistischer Erinnerungskultur widmen.

Wir wünschen euch einen empowernden Monat!

Hamburg

Bereits diesen Samstag startet der BHM in Hamburg mit einer Opening Party im N.Y.N.Y. (New York New York) in der Hoheluftchaussee 95. Es erwarten euch musikalische Liveacts, eine Multimedia-Show, Essen und Getränke, sowie DJ_anes zu Afro, Funk, Soul und Reggae. Der Eintritt kostet 6 Euro.

Weitere Veranstaltungen in Hamburg werden zeitnah auf der Facebook-Seite bekannt gegeben.

Frankfurt a.M.

gemeinsam organisiert die Regionalgruppe des ISD mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen eine ganze Reihe an tollen Veranstaltungen, zum Beispiel eine szenische Lesung zu “also by mail” mit Olumide Popoola sowie eine Spoken Word Performance mit Philipp Khabo Koepsell am 16.Februar um 20 Uhr im Circus. Der Eintritt ist frei.

Weiter geht es mit einer Podiumsdikussion zu “Racial Profiling” am 21. Februar um 19.30 Uhr, ebenfalls im Circus und mit freiem Eintritt.

Den Abschluss bildet ein Dokumentarfilm zur sogenannten ‘Residenzpflicht‘ mit anschließendem Gespräch mit Aktivist_innen des Voice Refugee Forums, Refugees Emancipation und Women in Exile. Das Ganze findet am 23. Februar um 14 Uhr im Mal Seh’n Kino statt. Auch hier kommt ihr kostenfrei in die Veranstaltung.

Berlin

Am Freitag beginnt im Joliba Archiv und Verlag die Ausstellung “Spurensuche”, die sich dem Alltag Schwarzer Menschen in der NS-Zeit widmet. Bis zum 29. November werden dazu bei Joliba auch Workshops, Lesungen und Führungen stattfinden.

Gleich drei musikalische Themenabende am 8., 15. und 28. Februar veranstaltet die Werkstatt der Kulturen. Mehr Infos zu Künstler_innen, genauen Uhrzeiten und Eintrittspreisen findet ihr auf der Webseite.

Die Berliner Frauenkreise zeigen am 21. Februar um 19 Uhr in ihren Räumen den Dokumentarfilm “A lot like you” von Eliaichi Kimaro, die darin ihre Familiengeschichte porträtiert. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos zur Veranstaltung und zur Filmreihe “Her Stories – Filmmakers with African Roots” findet ihr auf radioafrika.net.

Der Südblock veranstaltet am 24. Februar den Community Unity Day 4. Los geht’s ab 18 Uhr.

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Wartezeiten beim Jobcenter. Mit Baby. Und nun?

Mädchenmannschaft - 6 Feb 2013 - 16:00

Flickr (c) marchillary

Unsere Leserin Patricia hat uns auf einen Umstand hingewiesen, der anscheinend bei einigen Jobcentern bundesweit gang und gäbe zu sein scheint: Lange Wartezeiten für Jobcenter-Kundinnen, die das Jobcenter mit einem Baby aufsuchen (müssen).

Bei Patricia ist es so, dass selbst für die Antragstellung – bzw., das Abholen des Formulars – kein fester Termin vergeben wird. Sie schreibt uns:

“Leider bin ich nach dem Ende meines Mutterschutzes auf die Beantragung von ALG2 angewiesen (denn wer stellt schon eine schwangere Frau ein oder verlängert Ihren Vertrag), und muss dies nun auch alsbald erledigen. Ich habe versucht einen Termin zu bekommen, um meinen Antrag abzuholen, da ich einen Säugling habe, der voll gestillt wird (ca. alle 2 Stunden). Ich sehe nicht die Möglichkeit, eine dreiviertel Stunde in einer Schlange zu verharren, wie mir am Telefon gesagt wurde. Darüber hinaus soll ich meinen Säugling möglichst keinen Bakterien und Viren aussetzen (…). Wenn ich einen Termin beim Arzt vereinbare, bekomme ich einen Platz in einem extra Warteraum oder muss gar nicht warten. Im Jobcenter muss ich das aber. Was ist da los?, frage ich mich. Was ist das denn bitte für ein Umgang mit Frauen? Ich hatte niemals die Illusion, Teil einer Gesellschaft zu sein, die Frauen tatsächlich gleichstellt oder Strukturen schafft, die die Bedürfnisse von Frauen angemessen abbildet, aber ich bin doch schockiert, über eine solchen Umgang.”

Da Patricia sich Austausch wünscht, veröffentlichen wir ihre Schilderung des Sachverhaltes gerne. Ihre/unsere Frage: Habt Ihr ähnliches erlebt? Gibt es Möglichkeiten, auf einen festen Termin zu bestehen? Gibt es Ansprechpartner_innen, an die mensch sich wenden kann? Habt Ihr ansonsten irgendwelche Hinweise? Dann immer ab damit in die Kommentare.

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Münster: Raise your voice – your body, your choice!

Mädchenmannschaft - 6 Feb 2013 - 14:00

Alle Jahre wieder mobilisieren rechts­­kon­ser­vative, christ­liche Fundamentalist­*innen zu einem Schweigemarsch unter dem Namen “1000 Kreuze für das Leben”. Und alle Jahre wieder finden sich tolle, feministische Gegendemonstrant*innen zusammen, um den reaktionären, menschenverachtenden Abtreibungsgegner*innen (die sich ironischerweise selbst als “Lebensschützer*innen” bezeichnen) etwas entgegenzusetzen. Das bekannteste Beispiel dürfte Berlin sein, aber auch in Münster wird in diesem Jahr schon zum wiederholten Mal dagegen protestiert. Im Vorfeld findet bereits eine Mobilisierungstour statt.

Die Demo beginnt am 09.03.2013 um 11 Uhr am Bremer Platz in Münster

Jede dritte Frau* weltweit lässt einmal in ihrem Leben eine Abtreibung durchführen, etwa 70.000 von ihnen sterben jedes Jahr an einem verpfuschten illegalisierten Schwangerschaftsabbruch. Den selbsternannten Lebensschützer*innen geht es also keinesweg um den Schutz von Menschenleben, sondern primär um den Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht von Frauen* und anderen Personen, die schwanger werden können. Auf einem Flyer, der auf der Homepage des Bündnisses zum Download bereit steht, ist dieser Punkt nochmal genauer ausgeführt:

Die Idee, dass man ungewollt schwangere Frauen mit voller moralischer Legitimation dazu zwingen könnte, körperliche Eingriffe zu unterlassen und sie in den Dienst der ‘Lebensrettung’ eines Fötus zu stellen, basiert auf sexistischen, tradierten Vorstellungen eines Zugriffsrechtes der Gemeinschaft auf den Körper von Frauen und ihrer Reproduktionsfähigkeit. Nur schwerlich käme hingegen jemand auf die Idee, in anderen Bereichen, bei denen die Lebenserhaltung eines Individuums tatsächlich gegeben ist, ein derartiges Zugriffsrecht zu propagieren und Personen zu Eingriffen in ihren Körper – wie beispielsweise Blut-, Nieren- und Knochenmarksspende – zwingen zu wollen.

Abtreibungen sind in Deutschland bis heute illegalisiert, wenn auch unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Ein Grund mehr, am 09. März in Münster für ein selbstbestimmtes Leben und eine herrschaftsfreie Gesellschaft auf die Straße zu gehen. Der vordere Teil der Demonstration soll übrigens als reiner Frau­en­Les­benIn­ter­Trans*-​Block gestaltet werden – Männer* dürfen sich aber gerne in den hinteren Reihen solidarisch zeigen. Und wer vorher an der Mobilisierungstour teilnehmen will, kann das hier tun:

04.​02.​2013 19h Dort­mund im Ta­ran­ta Babu
07.​02.​2013 20h Düs­sel­dorf im Lin­ken Zen­trum
14.​02.​2013 18:30h Ol­den­burg im Al­ham­bra
22.​02.​2013 Wit­ten im Trotz Allem
evtl. 23.​02.​2013 Ber­lin
27.​02.​2013 Mül­heim im AZ Mül­heim

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Das nicht auflösbare Dilemma des “Opfers”

Antje Schrupp - 6 Feb 2013 - 13:25

Gerade lese ich ein Buch, das österreichische Feministinnen anlässlich einer großen Demo zusammengestellt haben, mit der 2011 an eine wiederum andere große Frauendemo in Wien hundert Jahre zuvor, also 1911 erinnert wurde. Der Band versammelt zahlreiche Beiträge, die der Frage nachgehen, wie sich feministischer Aktivismus insbesondere seit dem Aufbruch der 1970er Jahre bis heute verändert hat und ist sehr empfehlenswert.

An dieser Stelle nur ein kurzer Ausschnitt aus dem Beitrag von Christina Thürmer-Rohr, der gegenwärtig besonders aktuell ist. Nicht nur, weil “Opfer-Abo” (zurecht) zum Unwort des Jahres erklärt wurde, sondern auch, weil im Zusammenhang mit den Debatten über Alltagssexismus der Vorwurf immer wieder erhoben wurde, Frauen würden sich hier (oder andere Frauen) wieder mal zum Opfer machen. Thürmer-Rohr schreibt also:

Ein nicht auflösbares Dilemma liegt in der Qual dieses Einerseits-Andererseits, diesem Amalgam von Aufwertung und Opfersein. Das Wort “Opfer” wurde in der Frauenbewegung einerseits unentbehrlich, um die Schäden der Gewalt unmissverständlich zu benennen, andererseits suggeriert es die Wehrlosigkeit der Betroffenen und kategorisiert sie als Menschen, die ihre Souveränität und Handlungsfähigkeit verloren haben. Einerseits ist es Ziel feministischer Politik, Frauen zu ermutigen, ihr Leben in eigene Regie zu nehmen, andererseits stehen die Auswirkungen der Gewalterfahrungen diesem Ziel entgegen. Einerseits kann die Gewaltgeschichte zur Wahrnehmung der Frauen als ihr Opfer zwingen, andererseits kann gerade diese Wahrnehmung zur Beherrschung der Gesamtperson anwachsen, so dass die Erfahrungen wesensbildend werden und in Opferidentitäten münden. Einerseits kann die Opfermentalität in eine weithin ignorante Gesellschaft ein wachsendes Unrechtsbewusstsein einbringen, andererseits wird mit dieser Viktimisierung den Tätern eine Macht zugeschrieben, die das gesamte weitere Leben der Opfer verdirbt und die Täterseite stärkt. Einerseits gibt es endlose Belege für die Vergeschlechtlichung der Gewalt, andererseits wird mit dieser Vorgabe vernachlässigt, dass auch Frauen Gewalt ausüben oder unterstützen können. (S. 109)

Genauso ist es eben, und niemand muss so tun, als wäre dieses Dilemma im Feminismus erstens unbekannt und könnte zweitens mit einem einfachen Trick (“die Frauen nicht mehr zum Opfer machen!”) aufgelöst werden. Sondern wie in so vielen anderen Bereichen geht es eben auch bei der Frage, inwiefern Frauen Opfer oder Akteurinnen sind, nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein Sowohl als auch.

Zum Weiterlesen: Birge Krondorfer/Hilde Grammel (Hg): Frauen-Fragen. 100 Jahre Bewegung, Reflexion, Vision. ProMedia, Wien 2012, 19,90 Euro.

Ebenfalls empfehlenswert in dem Zusammenhang finde ich den Artikel von Marita Blauth: Das Tun und Lassen im Gewaltdiskurs.


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