Feministische Einzelkämpferinnen Gruppen

Die "Mainzer Feministinnen" vs. die Mainzer und so...

Ein Teil der FEG Mainz hat vor ca. 3 Wochen den "Media Markt"-Schriftzug auf Plakaten mit der Aufschrift "Da kannste alles anfassen, ohne eine geknallt zu kriegen." mit bedruckten Papier ("Sexistische Kackscheiße - Da kauf' ich lieber online. F.E.G. Mainz") und Tesafilm überklebt.

Soweit, so verhältnismäßig unspektakulär. Doch wie, in welcher Forum und wann Reaktionen der "Öffentlichkeit" darauf kamen, ist aus meiner Perspektive exemplarisch.

Reaktionen dank der Mädchenmannschaft

Ca. eine Woche später kam Lob und Feedback von und mit der Mädchenmannschaft, aus welcher sich eine Facebook Media Markt Boykott Gruppe, Beschwerden beim Werberat und bei Media Markt entwickelten. Die feministische Öffentlichkeit hatte uns mit einer "kleinen Aktion" somit ausreichend wahrgenommen, daraus eigene Reaktionen produziert und die FEG Mainz hat sich sehr gefreut hat.

Dann trat letzte Woche die Mainzer Rhein-Zeitung an mich heran, da sie über unser virtuelles feministisches Zentrum berichten möchte, mit dem Mainzer Bezug, sprich die FEG Mainz. "Wie schön", dachte ich mir und auch die FEG, "dann man tau."

Artikel der MRZ online

Gestern ging dann der Artikel online und für eine regionales, eher konservatives Blatt war der die Darstellung richtig positiv. Klar, es wäre zu bemängeln, dass die Kuratorin der Schuhtick-Ausstellung nur auf wenige Aspekte der Kritik der FEG einging und ein bisschen unverschämt, bei einer riesig langen Liste an Kritikpunkten, unterstellt, "dass die Frauen nicht konzentriert durch die Schau gegangen sind." (siehe Artikel). Aber auch das bemüßigt mich noch nicht, diesen Text zu schreiben, es bewegt sich ja noch im typischen "Politik ist, wenn ich mir die Welt in meinen Kommentaren zurecht biege"-Bereich.

Reaktion in den Kommentaren

Auf den Online-Artikel folgt der obligatorische maskul(in)istische "Feministinnen sind scheiße und gehören bedroht"-Kommentar, der hier zitiert und nicht verlinkt wird, da dafür eine Anmeldung im "Forum" von Nöten ist. Eviathan (bei dem Namen weiß ja eine auch gleich, was sie erwartet) schrieb also:

ACHTUNG TRIGGER! (Text enthält Gewalt & Rassismus)
"Es erfreut, so stramme Streiterinnen des Feminismus zu sehen, die sich mit den wirklichen Problemen dieser Welt auseinandersetzen.
Und ja, Geschlechter sind in der Tat nichts weiter als soziale Konstrukte, die lediglich anerzogen werden, völlig klar, wenn auch wissenschaftlich gänzlich unhaltbar. Aber dies propagand... äh, wusste schon die Beauvoir, wobei es dieser dem Vernehmen nach dennoch nie gelang, ihre Initialen in den Schnee zu harnen.
Jedenfalls bleibt zu wünschen, dass eine weise staatliche Einrichtung jene "Einzelkämpferinnen" baldmöglichst über Afghanistan abwirft, damit diese dort ihren Beitrag leisten können, wenn es darum geht, Frauenrechte durchzusetzen. So mancher Taleb würde sich über so einen Aufpapper auf der Stirne sicher sehr freuen.
Dort jedenfalls gibt es sicher mehr zu tun als im warmen Deutschland mit seinen Frauenquoten, Frauenbeauftragten, Girls' Days, Frauenbadetagen, Frauenparkplätzen, Frauen- usw. usf. - und natürlich seinem Kackscheiß."

Um ca. 8:30 Uhr wurde der Kommetar von mir gemeldet, da der Aufruf, Menschen aus Flugzeugen über Afghanistan abzuwerfen, meines Erachtens eine Form von Bedrohung enthält und somit sicherlich nicht den Regeln des Kommentierens bei der Mainzer Rhein-Zeitung entspricht... tja, der Kommentar ist immer noch online, aber wie sollte es auch anders sein.

Printartikel der MRZ

Heute (23.11.2010) erschien dann der Printartikel, bis auf die Überschrift und die Bildunterschrift erscheint's derselbe Text zu sein, somit unterlasse ich es mal, den kompletten Artikel einzuscannen. Aber weil's so schön ist: Während die Online-Überschrift von "Mainzer Feministinnen" spricht, benennt die Print-Überschrift gleich mal "Frauen" und der Print-Teaser sowie die Bildunterschrift erwecken den Eindruck, es ginge um Mario Barth (der zufällig Werbung für Media Markt macht) - und eben nicht um Media Markt (welcher zufällig mit Mario Barth Werbung macht).

Einleitung auf der Titelseite

Zu Mario Barth oder Media Markt an anderer Stelle mehr, jetzt erstmal zum weiteren "Drumherum". Unten rechts auf dem Frontseite findet sich gleich der Kommentar von Johnny G., über welchen ich beim groben Scannen ob die FEG Mainz es auf's Titelblatt geschafft hat, gleich aufmerksam wurde. Wenn's um Männer im Titel geht, ist wahrscheinlich Feminismus drin - so viel zu meinen absurden Gedankengängen, die dann doch leider stimmen:

 

Unter dem Titel "Über den Mann als solchen" geht Johnny G. dann erstmal davon aus, dass den "Mainzer Feministinnen" (also allen, aja) die "Barth'schen PR-Bemühungen" nicht passen. "Aha", denke ich mir, "das passt mir also nicht, danke dass er mir das sagt. Wie schön, muss ich ja nicht weiter nachdenken." Dann jedoch möchte mein Hirn doch wieder mitarbeiten und ich lese weiter: "Und machen indirekt nur noch mehr Werbung für Haushaltsgeräte und Elektronikspielereien". Unnötig zu sagen, dass er keinmal sagt, um welche Kette es sich handelt? Aber ja, es wäre ja auch fatal, über ein Unternehmen zu diskutieren: Das wäre ja noch mehr Werbung für "die", lieber totschweigen und dort weiter einkaufen oder auch nicht. Jedenfalls nicht daran rumkritisieren. Soweit geht's dann ja auch nicht mit der Idee des Journalismus, Menschen davon zu berichten, was in der Welt passiert. (Ebenso spannend ist die Differenzierung zwischen Haushaltsgeräten und Elektronikspielereien - aber dazu ein andermal mehr.)

Was fehlt noch? Genau! Die obligatorische "Feministinnen hassen Männer"-Unterstellung. Aber natürlich fehlt diese auch nicht: "Bleibt die Frage, ob unsere Feministinnen nur den bösen Mann oder die schlimmen Männer als solche geißeln." Aber ja, "schlimme Männer" mag zumindest ich wirklich nicht, aber ich vermute Johnny G. auch nicht, schließlich sind die schlimm.
Mehr dazu nicht, fragen wir uns doch lieber in welchem Eigentumsverhätlnis Feministinnen stehen... "unsere Feministinnen"? Ist das jetzt so 'ne "wir sind doch alles Mainzer_innen"-Geschichte? Und falls ja, kann ich Johnny G. - sollte er Mainzer sein - irgendwo umtauschen? Oder folgt aus einer "mein, dein, unser"-Formulierung einfach nix?

Hangeln wir uns weiter zu Seite 3 der MRZ, wo fast halbseitig berichtet wird. Und bei so einem Aufmacher dürfen die Passant_innen-Kommetare auch nicht fehlen. Ach was sag ich, natürlich die Passantinnen-Kommentare (eingescannt und verlinkt, weil sonst zu groß). Diese wurden anscheinend danach gefragt, was sie von Mario Barth halten... Die Diversität der befragten Frauen stand anscheinend nicht im Vordergrund, sind doch alle zwischen 27-40 Jahre alt, verhältnismäßig weiß, weiblich, recht schlank etc. Über die Kommentare selbst lässt sich lange diskutieren, doch vermutlich ziehe ich daraus einen anderen Nutzen, als intendiert war - schließlich sind 4 der 5 Kommentare eher Pro-Barth, doch mit Derailingfordummies habe ich einige spannende Analysemöglichkeiten (z.B. wie sich Derailing auf manche Menschen auswirkt).

Barth vs. Media Markt?

Es ist mir schier unbegreiflich, wie es plötzlich um Mario Barth gehen kann. In meinem Gespräch mit der Redakteurin Alexandra Schröder (übrigens: dieser Text hier ist keine Kritik an ihrer Arbeit - auch weil ich nicht weiß, was an der Printdarstellung sie initiiert hat) ging es nicht um Mario Barth. Mir persönlich ging es zu keinem Zeitpunkt um Mario Barth - sicherlich lassen sich verschiedene Schwerpunkte setzen, denn viele von Barths Äußerungen sind sexistisch. Schlimmer finde ich jedoch, dass er damit immer noch Publikum hat.

Die FEG hat jedoch die Aktion nicht gegen einen Mario Barth Auftritt gerichtet, sondern gegen Media Markt, welcher mit Sexismus Werbung macht. Die Facebookgruppe ruft zu einem Media Markt Boykott auf - und eben nicht zu einem Barth-Boykott, die Beschwerden beim Werberat richtete sich gegen die Werbung von Media Markt und nicht gegen die Werbung von Barth und es gingen Beschwerden an Media Markt und nicht an Barth. Wie also konnte daraus in der MRZ eine Pro & Contra Barth Geschichte werden?

Der exemplarische Wert

Aus

  1.  einer kleinen Aktion einer regionalen feministischen Gruppe
  2. zugunsten der Sensibilisierung der Bevölkerung zu Sexismus
  3. und der Reflektion des eigenen Kaufverhaltens

folgt

  1. positive Zustimmung seitens anderer Feministinnen
  2. partizipative Schritte (z.B. Werberat)
  3. konsumkritisches Verhalten (z.B. Boykott, Beschwerde bei Media Markt)

und kommt zurück in die Region mit

  1. Unterstellungen (z.B. "Feministinnen hassen Männer")
  2. Verallgemeinerungen (z.B. "die Feministinnen")
  3. Sexismus (z.B. "unsere Feministinnen")
  4. vollkommen anderen Inhalten (z.B. Barth vs. Media Markt, Schuhtick-Kritik)
  5. Feminismus-Bashing
  6. etc.

Aber hey, bestimmt gibt's jetzt viele Leser_innenbriefe über die bösen Feministinnen, die Männer hassen und darum was gegen Mario Barth haben und außerdem liebe Ausstellungen wegen Stöckelschuhen kritisieren. Also wirklich!

Dieser Text darf nur nach Zustimmung anderswo verwendet werden, auch in Teilen. Ich würde mich auf Diskussionsbeiträge per E-Mail freuen, jedoch veröffentliche ich nicht alles.
Ebenso wird dieser Text sicherlich noch korrigiert, vor allem bezüglich Rechtschreibfehlern, Ergänzungen und kruden Formulierungen.

 

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